Sportstätte mit Zukunft

07.September 2005

Aus der Geschichte des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks (IV)

Am 21. Februar 1990 beschloss die Stadtbezirksversammlung Prenzlauer Berg, auf dem ehemaligen Grenzstreifen zwischen Eberswalder Straße und Gleimstraße einen „Mauerpark“ zu errichten. Sie folgte damit einem Vorschlag des „Runden Tisches“ der Parteien und Organisationen des Bezirks, der nach dem Mauerfall als demokratisch legitimierte Vertretung gebildet worden war. Vier Monate später, am 18. Juni 1990, wurde aus dem Mauerstreifen vor dem Gleimtunnel das erste Segment entfernt. Ein Vierteljahr danach erfolgte die Freigabe des Tunnels zunächst für Fußgänger und Radfahrer und am 5. Oktober 1993 – trotz massiver Proteste der Anwohner auf beiden Seiten des Bauwerks – schließlich auch für Pkws.
Nach der Öffnung der Mauer rückte auch das Gelände des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks rasch ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Gemäß dem Nutzungskonzept des Berliner Senats für die Sportstätte standen die weiträumigen Sportanlagen sehr schnell wieder für den bezirklichen Schul- und Vereinssport zur Verfügung. Das Stadion, obwohl schon längst nicht mehr im Bestzustand, wurde von verschiedenen Fußballclubs, darunter von Blau Weiß 90, dem ältesten Fußballverein Berlins, und dem größten türkischen Fußballklub der Stadt, Türkiyemspor Berlin e. V., als Heimspielstätte genutzt.(1) Als sich herausstellte, dass die Stahlkonstruktion der Haupttribüne mit gesundheitsschädlichen Asbestzementplatten ausgekleidet war, wurde die Anlage Ende 1991 geschlossen und mit beträchtlichem finanziellen Aufwand renoviert und modernisiert.

Im Olympiafieber

Das Interesse am Jahn-Sportpark wuchs um ein Vielfaches, als sich das vereinte Berlin beim IOC um die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2000 bewarb. Nach den Vorstellungen der Stadtväter und Sportverantwortlichen sollte er einer der zentralen Standorte der olympischen Wettkampfstätten werden. Vorgesehen war der Bau einer Boxsporthalle für 10 000 Zuschauer. Ihr sollte sich zur Eberswalder Straße hin eine Judo-Halle mit 6 000 Plätzen anschließen. Während die Architekturwettbewerbe für die Neugestaltung des ehemaligen „Exers“ liefen, diente das nach Abschluss seiner Sanierung als bundesligatauglich eingestufte Stadion wiederholt als Austragungsort von hochrangigen Fußballspielen. Aber nicht nur das. Für viele völlig überraschend trat am 4. September 1992 US-Rockstar Michael Jackson vor 40 000 begeisterten Zuhörern in der Spielstätte auf. Das Konzert hatte ursprünglich auf dem Maifeld am Olympiastadion stattfinden sollen.

Mehrzweckhalle vom Feinsten

Nach dem Scheitern der Olympiawerbung Berlins im September 1993(2) wurde das Projekt der Boxsporthalle im Gegensatz zur Judohalle nicht zurückgestellt. Sie sollte jetzt jedoch als Mehrzweckhalle entstehen und eine multifunktionale Nutzung gestatten. Sieger im Wettbewerb wurde das von den Architekten Jörg Joppien, Anett-Maud Joppien und Albert Dietz eingereichte Projekt. Die Jury hatte sich für das von ihnen geplante Bauwerk auch deshalb entschieden, weil es sich der Landschaft am Falkplatz und am Mauerpark unterordnete und sein erhebliches Volumen von 320 000 m³ nur erahnen ließ.
Am 23. Juni 1993 erfolgte die Grundsteinlegung und knapp dreieinhalb Jahre später am 14. Dezember 1997 wurde die Großsporthalle im Beisein des Namengebers, des 91-jährigen deutschen Boxidols Max Schmeling, unter dem Jubel der vielen tausend Zuschauer und zahlreicher Ehrengäste offiziell eingeweiht. Die Max-Schmeling-Halle mit rund 8 000 Plätzen auf den Tribünen – bei der Bestuhlung des Innenraums kommen noch 2 000 Plätze hinzu – und weiteren 1 500 Plätzen in den drei kleineren Sporthallen wurde zum größten Sporthallen- und Mehrzweckbau in Berlin.(3)
Welche vielfältigen Möglichkeiten die neue Halle eröffnete, lässt sich am besten an der Bandbreite der hier seit ihrer Fertigstellung durchgeführten sportlichen Wettkämpfe und kulturellen Veranstaltungen ermessen. Ob Weltmeisterschaft im Formationstanz, Militärmusikfestival, Rock- und Pop-Konzerte mit internationalen Stars, hochkarätige Handball-Länderspiele, Boxkämpfe oder die Spiele des mehrfachen deutschen Basketballmeisters Alba-Berlin – die Halle bietet höchsten technischen Standard, eine sehr gute Akustik und ansprechenden Service für die Zuschauer.

Zukunftsfähig

Knapp anderthalb Jahre nach der Grundsteinlegung für den Bau der Max-Schmeling-Halle war am 12. November 1994 der erste Abschnitt des Mauerparks zwischen Eberswalder Straße und Gleimtunnel übergeben worden. Die nach dem Projekt des Hamburger Gartenarchitekten Prof. Gustav Lange gestaltete Anlage enthielt viele attraktive Angebote für Freizeit und Erholung. Zudem erinnerte ein auf der westlichen Anhöhe zum Jahn-Sportpark gelegener 140 Meter langer Teil der ehemaligen Berliner Mauer an die mehr als 28-jährige Teilung der Stadt. Vermisst aber wurde von vielen Bewohnern aus dem Kiez der Kinderbauernhof, der ursprünglich Teil des 1. Mauerparkabschnitts sein sollte. Er wurde erst 1999 nach schier endlosen Querelen um seine Finanzierung übergeben.(4)
Mehrere Jahre diente der Jahn-Sportpark auch dem American-Football-Team von „Berlin Thunders“ als Spielstätte. In der Hoffnung auf höhere Besucherzahlen zog der Verein jedoch Anfang 2003 zum Olympia-Stadion. Überhaupt war die Sportstätte im Norden Berlins nach dem Mauerfall häufig als Ersatz für das Olympia-Stadion, dessen Sanierung und Modernsierung im Jahr 2002 begonnen hatte, angesehen worden. So trafen sich hier 2002 und 2003 auch Top-Leichtathleten aus aller Welt zum Internationalen Stadionfest (ISTAF) und lieferten sich vor voll besetzten Stadionrängen packende Wettkämpfe. Zwar war das Stadion mit 21 000 Zuschauerplätzen wesentlich kleiner als die Arena in Charlottenburg, aber es bot modernste Stadiontechnik und ermöglichte den Zuschauern eine bessere Übersicht über die sportlichen Vergleiche. Beim 62. ISTAF 2003 im Jahn-Sportpark gab es sogar eine Premiere: Erstmals in der Geschichte der Stadionfeste wurde neben den sportlichen Wettbewerben ein unterhaltsames Rahmenprogramm geboten, zu dessen Höhepunkten ein Live-Konzert mit Yvonne Catterfield zählte.
Die Sportanlagen an der Cantianstraße profitierten seit Ende der 90er Jahre auch von der Stilllegung des Stadions der Weltjugend an der Chausseestraße, das dem Bau einer großzügig geplanten, aber nie realisierten Wettkampfstätte weichen musste. Der dadurch entstandene Verlust an Trainingsplätzen- und Spielflächen für den Vereinssport wurde zum Teil durch den Bau von entsprechenden Anlagen im Jahn-Sportpark ausgeglichen.

Ausblick

Seit 2004 findet das ISTAF wieder im Olympiastadion statt und auch zahlreiche andere Veranstaltungen werden wieder bevorzugt dort ausgetragen. Dennoch wird der im Zentrum der Stadt verkehrsgünstig gelegene Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark auch künftig als Austragungsort von nationalen und internationalen Sportwettkämpfen und von Großveranstaltungen einen herausragenden Platz unter den Berliner Sportstätten und vergleichbaren Veranstaltungsorten einnehmen. Ganz zu schweigen von seiner wichtigen Rolle im Schul-, Vereins- und Freizeitsport. Aber die Zahl derer, die vom „Exer“ sprechen, wenn sie das Gelände des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks meinen, wird sich weiter ständig verringern.

K. Grosinski

  1. Siehe Berlin Handbuch. Das Lexikon der Bundeshauptstadt, FAB Verlag, Berlin 2002, S. 414 f.

  2. Das Internationale Olympische Komitee vergab auf seiner Tagung am 23. September 1993 die Olympischen Sommersiele im Jahre 2000 nach Sydney (Australien).

  3. Berlin und seine Bauten. Hrsg. vom Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin, Teil VII, Band C: Sportbauten, Berlin 1997, 105.

  4. Der Kinderbauernhof öffnete schließlich 1999 etwas weiter nördlich seine Pforten und heißt seit 2003 „Jugendfarm Moritzhof“.

Veröffentlicht in Falkblatt Nr. 19, September 2005, S. 10/11

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