Indianer auf dem Falkplatz

12.Januar 2001

Aus der Geschichte des Falkplatzes (II)

Ja, Sie haben richtig gelesen: die Geschichte des Falkplatzes ist auch mit Indianern, mexikanischen Indianern verbunden. Und sie haben sogar ein Zeichen hinterlassen: den mehr als 15 Meter hohen Totempfahl im westlichen Teil des Falkplatzes.

Am 21.Juni 1995 meldete die Berliner Zeitung auf ihrer Lokalseite: „Mexikanische Indianer werden heute unter Flötenklängen von der Spitze eines Lebensbaumes zur Erde kreisen. Die Zeremonie ‘Baum des Lebens’ ist ein Höhepunkt des Sommersonnenwendfestes, das ab 12 Uhr auf dem Falkplatz gefeiert wird.“

Bereits Tage zuvor hatten Maueranschläge im Gleimkiez auf das bevorstehende Ereignis hingewiesen. Auch auf dem Falkplatz kündigte ungewohnte Aktivität von den Vorbereitungen auf das Fest. In mehrtägiger Arbeit fügten Jugendliche und Kinder das Zifferblatt für eine „lebende Sonnenuhr“ zusammen. Es entstand aus unzähligen von Kinderhand geformten Steinen aus rotem und weißem Ton, verziert mit unterschiedlichen Motiven. Sogar eine größere Zahl von kleinen Skulpturen befand sich unter den Ziegeln. Diese kleinen Kunstwerke hatten etwa 1500 Kinder aus 50 Berliner Einrichtungen in einer speziellen Aktion zur Internationalen Klimakonferenz 1995 in Berlin angefertigt. Kinder waren es auch, die den hölzernen Zeiger für die Sonnenuhr verzierten.

Noch aber fehlte der Totempfahl. Unter sachkundiger Anleitung einer Gruppe von Totonaken-indianern aus Mexiko versahen Kinder und Jugendliche den aus den fränkischen Wäldern herbeigeschafften 17 Meter langen Fichtenstamm mit zahlreichen Schnitzereien und bemalten ihn mit Farbe. Einen Tag vor der Sonnenwendfeier wurde der so entstandene Totempfahl mit einem Spezialtransporter angeliefert. Bevor er auf dem Falkplatz aufgestellt werden konnte, präparierten Indianer mit Machete und Säge die Spitze des Pfahls für ihre Vorführung am folgenden Tag.

Dann endlich war es soweit. Hunderte Schaulustige hatten sich eingefunden, um dem Spektakel beizuwohnen. Azteken, Yaki und Totonaken, zum Teil mit Federschmuck, zeigten, begleitet von Panflöten und Trommeln; Tänze aus ihrer Heimat. Diese versinnbildlichten, wie einer der Akteure erklärte, die enge Beziehung der Indianer zur Erde und zur Natur.

Den Höhepunkt des Festes bildete – wie angekündigt –die von den Indianern erstmals in Europa gezeigte Zeremonie „Baum des Lebens“. Vom Fenster unserer Wohnung schauten wir zu, wie vier Indianer, als Adler verkleidet, behände die Spitze des Totempfahls erklommen und sich dort in die tags zuvor an einer drehbar gelagerten Trommel befestigten Seile einhängten. Unter Flötenklängen begann sich die Gruppe um den Mast zu drehen. Die Drehungen wurden immer schneller. Endlich, ganz langsam, näherten sich die vier „Adler“ der Erde und setzten unter dem Beifall der bislang atemlos schauenden Menge auf.

Auch wir hatten angesichts der halsbrecherisch anmutenden Kunststückchen zeitweilig den Atem angehalten. Dennoch war es uns gelungen, von unserem Logenplatz am Fenster wenigstens einiges im Bild festzuhalten. Die Fotos erinnern uns an jene besondere Sonnenwendfeier auf dem Falkplatz im Jahre 1995.

K. Grosinski

Sommersonnenwende

Sommersonnenwendfeier am 21. Juni 1995 auf dem Falkplatz: Die mexikanischen Indianer als Adler verkleidet während ihrer Darbietung am Totempfahl. Im Hintergrund die im Bau befindliche Max-Schmeling-Halle (Foto: K. Grosinski)

Veröffentlicht in Falkblatt Nr. 3, Januar 2001, S. 10

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