Vom “Exer”, Baulöwen und einem Tauschhandel

22.April 2001

Aus der Geschichte des Falkplatzes (III)

Auf dem 1862 beschlossenen „Bebauungsplan der Umgebungen Berlins“ war im Gebiet des heutigen Falkplatzes eine große freie Fläche mit dem Buchstaben „N“ eingetragen. Der so gekennzeichnete Stadtplatz lag inmitten eines geplanten Netzes von Straßen, das der Urheber des Planes – der Baumeister für Landbau und Kanalisationsfachmann James Hobrecht (1825–1902) – über die Ackerflure gelegt hatte. Deutlich zu erkennen waren die bereits bestehenden, nicht parallel verlaufenden Radialen Schönhauser Allee und Schwedter Straße und ein Feldweg in Höhe der Gleimstraße. Im Süden grenzte der Platz N an den „Exercier-Platz zur einsamen Pappel“.

Die von einigen älteren Bewohnern in unserem Kiez bis heute gebrauchte Bezeichnung „Exer“ für den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark erinnert noch an die ursprünglich militärische Nutzung der späteren Sportfläche. Bereits 1825 hatte der Großgrundbesitzer Wilhelm Griebenow (1784–1865) das damals zwischen der Chaussee nach Pankow (seit 1841 Schönhauer Allee) und dem Verlorenen Weg (Schwedter Straße) gelegene Gelände an den Militärfiskus verkauft. Bis in die achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts zogen die Soldaten und Offiziere des Alexanderregiments von ihrer in der Stadt gelegenen Kaserne zu Felddienstübungen, zum Regimentsexerzieren und zu den alljährlichen Frühjahrsparaden auf den Exerzierplatz in der Schönhauser Vorstadt. Fast wäre auch an dem Platz N eine Kaserne errichtet worden, so jedenfalls war es noch1864 vorgesehen. Glücklicherweise wurden die Planungen nicht ausgeführt. Bis zum Anlegen des Stadtplatzes sollte indes noch viel Wind über die öde, sandige Fläche wehen. Erst zu Beginn der neunziger Jahre war die Bebauung des Prenzlauer Bergs so weit fortgeschritten, dass auch das Gebiet nördlich des Exerzierplatzes in die weiteren Planungen einbezogen wurde.

Um die räumliche Verortung des dort vorgesehenen Stadtplatzes musste die Stadt Berlin lange Verhandlungen mit den bauwilligen Grundbesitzern führen. Im revidierten Bebauungsplan von 1890 war der Platz als großes, von der späteren Gleim-, Gaudy-, Cantian und der Schwedter Straße umschlossenes Terrain eingezeichnet (siehe Abb.). Da die Eigentümer dieser Fläche zusätzliches Bauland ertrotzen wollten, boten sie an, den hinteren Teil des Platzes zwischen Schwedter und später Ystader Straße als verkleinerten Platz N 1 der Stadt unentgeltlich zu überlassen, wenn sie dafür den mittleren Block zwischen Ystader und Cantianstraße bebauen durften. Als die Stadt nach zähen Verhandlungen schließlich in den Tauschhandel einwilligte, hatte sie dafür mehrere Gründe: zum einen die Absicht, schnellstens die Gleimstraße zum Gleimtunnel hin zu verbreitern, und zum anderen die überdimensionierte Größe des Platzes. Der von den Grundeigentümern angebotenen Platz war in der Tat immer noch ein Drittel größer als die beiden größten damals in Berlin vorhandenen Plätze, der Leopoldplatz und der Forckenbeckplatz. Selbst den zum Vergleich herangezogenen Lustgarten mit seinen 10 500 qm übertraf der Platz N noch in seiner verkleinerten Form um mehr als das Dreifache. Bei diesem zum Rechtfertigen der Verkleinerung des Platzes herangezogenen Argument wurde jedoch die Tatsache übergangen, dass Prenzlauer Berg bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu den am dichtesten besiedelten Stadtteilen Berlins gehörte und eine größere Grünanlage dringend benötigte hätte, wie das bei späteren Diskussionen um die Umnutzung des „Exers“ als Sport- und Spielplatz auch eingestanden wurde. Jedenfalls beschloss die Stadtverordnetenversammlung am 20. Oktober 1904 schließlich, dass „der zwischen der Gleim- und Gaudystraße liegende Platz N als Platz N 1 auf der Strecke von der Schwedter Straße bis zur Verlängerung der Straße 9 (Ystader Straße – K. G.) eingeschränkt wird“. Damit waren endlich auch alle Voraussetzungen gegeben, um dem nunmehr auch gesetzlich verorteten Stadtplatz einen Namen zu geben, zumal die Schwedter (1862), die Gleim-(1892 bzw. 1902), die Gaudy- (1903) und die Cantianstraße (1903) bereits benannt worden waren.

K. Grosinski

Karte
Der Platz „N“ in seiner ursprünglichen Größe auf einem Plan aus dem Jahre 1903 (Quelle: Landesarchiv Berlin)

Veröffentlicht in Falkblatt Nr. 4, April 2001, S. 6

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