Wie der Falkplatz zu seinem Namen kam

18.Dezember 2001

Aus der Geschichte des Falkplatzes (IV)

Im Jahre 1906 war es endlich soweit: Der Platz N erhielt einen Namen.
In der Ende September 1906 im “Amtsblatt der Stadt Berlin” veröffentlichten Bekanntmachung des Königlichen Polizei-Präsidenten über Straßen-, Platz- und Brücken-Benennungen findet sich der Vermerk, dass “Seine Majestät der Kaiser und König … allergnädigst geruht [haben], mehreren Straßen sowie einem Platze und einer Brücke in Berlin Namen beizulegen”. Bei dem Platz handelte es sich um den Platz N oder Nr. 1 der Abteilung XI des Bebauungsplanes von Berlin. Er erhielt den Namen Falkplatz.

Als die Benennung erfolgte, konnten sich vermutlich noch viele ältere Berliner an den Namensgeber, den einstigen streitbaren preußischen Kultusminister Adalbert Falk, erinnern. Der 1827 im schlesischen Metschkau geborene Pfarrersohn hatte bereits im preußischen Justizdienst Karriere gemacht und sich auch als staatstreuer Politiker hinreichend legitimiert, als er 1872 vom “eisernen Kanzler” Otto von Bismarck (1805–1898) als Kultusminister in das preußische Kabinett aufgenommen wurde. Falk nahm entschlossen die ihm von Bismarck zugedachte Aufgabe in Angriff, in dem seit der Gründung des vornehmlich protestantischen Deutschen Reiches 1871 schwelenden Konflikt zwischen dem Staat und der als reichsfeindlich verdächtigten katholischen Kirche – von dem Mediziner und Parlamentarier Rudolf Virchow (1821–1902) 1873 als “Kulturkampf” bezeichnet – nachhaltig die Positionen des Staates zu sichern und zu stärken. In seinem Streben, die Staatsautorität zu behaupten und den Einfluss des Katholizismus zurückzudrängen, scheute Falk nicht davor zurück, die Amtsträger der katholischen Kirche mit rechtlich bedenklichen Mitteln zu bekämpfen. Harte Strafgesetze gegen den katholischen Klerus und das Verbot sämtlicher Ordensniederlassungen auf preußischem Gebiet sowie die 1874 in Preußen und wenig später im Deutschen Reich eingeführte obligatorische Zivilehe, welche die katholische wie die evangelische Kirche gleichermaßen traf, sollten das Werk sichern.

Als gegen Ende der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts unter dem Druck der anwachsenden innenpolitischen und wirtschaftlichen Aufgaben die Auseinandersetzungen mit der katholischen Kirche immer mehr in den Hintergrund traten und der Vatikan unter dem neuen Papst Leo XIII. (1810–1903) einen Ausgleich mit Bismarck anstrebte, wurde Falk entlassen. Zunehmend enttäuscht zog er sich aus dem politischen Leben zurück.
Bis in unsere Tage wird der Namensgeber des Falkplatzes in den spärlichen Angaben, die sich über ihn in einigen wenigen Nachschlagewerken finden lassen, fast ausschließlich als der eigentliche Kulturkampfminister unter Bismarck und Schöpfer der Zivilehe in Deutschland gewürdigt. Gar nichts oder nur wenig erfährt der Leser hingegen von Falks Einsatz für eine Reform des Schulwesens in Preußen. Dabei ging es ihm hier um eine längst überfällige durchgreifende Modernisierung. Zu diesem Zweck sollten die Schulaufsicht neu geregelt, die Lehrerbildung modernisiert, die Lehrpläne der fortschreitenden Entwicklung der Naturwissenschaften und Technik angepasst, die Schulbücher vereinheitlicht und die Ausstattung der Elementarschulen verbessert werden. Doch alle diese Vorschläge und Vorstöße Falks stießen bei den Verantwortlichen auf taube Ohren. Vor allem Falks Vorstellungen von einer Abschaffung der geistlichen Schulaufsicht trafen beim Klerus und beim Adel gleichermaßen auf entschiedenen Widerstand. Auch die kaiserlichen Randglossen an Falk wurden immer bissiger und gereizter. Mit Falks Ausscheiden aus dem Amt des Kultusministers blieben somit auch erste Ansätze für eine Reform des preußischen Schulwesens stecken. Am 7. Juli 1900 starb Adalbert Falk in Hamm, wo er seit 1882 als Oberlandesgerichtspräsident gewirkt hatte.
Die meisten, die heute den Namen Falkplatz hören, wird es kaum interessieren, woher der Platz seinen Namen hat oder gar nach wem er benannt wurde. Für die jüngere Generation, die seit je sprachliche Verkürzungen bevorzugt, ist und bleibt es der “Falka” oder “Falker”. Dieser Name passt auch besser zu “Kolle”, “Helmi” oder “Teute”.

K. Grosinski

Adalbert FalkAdalbert Falk (1827–1900) – erfolgreich als Schöpfer der Zivilehe, als Schulreformer gescheitert (Sammlung Grosinski)

Veröffentlicht in Falkblatt Nr. 6, Dezember 2001, S. 11

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