Hermann Tops

18.Februar 2004

Ein Arbeitersportler und Kämpfer gegen das NS-Regime aus dem Kiez

Wer mit wachen Augen von der U-Bahn-Station Eberswalder Straße kommend, die Schönhauser Allee in Richtung Pankow entlang geht, der wird, kurz bevor er den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark erreicht, eine schmale Straße entdecken – die Topsstraße. Zusammen mit der Eberswalder Straße bildet sie die südliche Begrenzung des Sportparks. Benannt wurde sie nach dem antifaschistischen Widerstandskämpfer Hermann Tops.

Sie nannten ihn „Männe“

Der mit der Benennung einer Straße Geehrte wurde am 18. Juli 1897 in Prenzlauer Berg geboren. Nach der Volksschule erlernte er den Beruf eines Werkzeugmachers. 1919 schloss er sich dem Metallarbeiterverband und der Sozialistischen Arbeiterjugend an. 1923 wurde er Mitglied der KPD und Betriebsratsvorsitzender. Von früher Jugend an war er aktiv im Arbeitersportverein „Fichte“ tätig. Er trainierte in der an der Ystader Straße gelegenen Sporthalle des ehemaligen Luisenstädtischen Gymnasiums und betreute dort auch Turnernachwuchs. Ende der 1920er Jahre wurde „Männe“ – wie seine Sportfreunde Hermann Tops gern nannten – für seine Partei in die Bezirksverordnetenversammlung Prenzlauer Berg gewählt. Als Arbeitersportler übte er seit Ende 1931 die Funktion des Turnwarts von Berlin-Brandenburg im Vorstand der „Kampfgemeinschaft für Rote Sporteinheit“ (1) aus. Als nach dem 30. Januar 1933 die NS-Machthaber die kommunistischen und sozialdemokratischen Sportorganisationen verboten, gelang es ganzen Gruppen von Arbeitersportlern aus Prenzlauer Berg, in politisch unverdächtigen Sportvereinigungen, vor allem im „Berliner Turnverein 1862“, unterzukommen. Bald tauchten dort auch illegale Flugblätter gegen das NS-Regime auf. Der Gestapo konnte die politischen Aktivitäten der ehemaligen Roten Sportler nicht verborgen bleiben. Als am 12. Oktober 1933 Mitglieder der zentralen wie der örtlichen Leitung der Kampfgemeinschaft für Rote Sporteinheit verhaftet wurden, befand sich unter ihnen auch Hermann Tops. Wegen seiner antifaschistischen Tätigkeit wurde er zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Kaum entlassen, nahm er wieder am illegalen Kampf gegen die NS-Diktatur teil. Als Mitarbeiter einer Maschinenbaufirma in Berlin-Wittenau begann er mit dem Aufbau illegaler Widerstandsgruppen in Berliner Rüstungsbetrieben. 1939 schloss er sich wie viele andere frühere Arbeitersportler der von Robert Uhrig geleiteten Widerstandsgruppe an und wurde zum Verbindungsmann der Uhrig-Gruppe zu der großen Widerstandsorganisation um den Kommunisten von Anton Saefkow, die im Berliner Nordosten mehrere Stützpunkte im betrieblichen Bereich besaß. Am 4. Februar 1942 wurde Hermann Tops erneut verhaftet, nach qualvoller Kerkerhaft im Juni 1944 zusammen mit Ernst Knaack, Heinrich Preuß, Wilhelm Rietze, Artur Sodtke und anderen Arbeiterfunktionären aus Prenzlauer Berg zum Tode verurteilt und am 14. August 1944 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet.

Im Gedenken an Hermann Tops

Seit 31. Januar 1952 trägt die Topsstraße seinen Namen. 25 Jahre später erhielt die nur wenige hundert Meter vom letzten Wohnsitz von Hermann Tops entfernt liegende 8. Polytechnische Oberschule (POS) Prenzlauer Berg in der Kopenhagener Straße 50 den Namen „Hermann-Tops-Oberschule“. Dieser Name war für die Traditionspflege an der Schule geschickt gewählt worden. Hatte doch der vom NS-Regime hingerichtete Arbeitersportler seine Übungsstunden in der Turnhalle der Schule abgehalten und keine fünf Minuten entfernt in der Kopenhagener Straße 46 gewohnt. In der Aula der 8. POS hing bis zur Auflösung der Schule im Sommer 1991 und der Neueröffnung der 11. Grundschule ein überlebensgroßes Porträt des einstigen Namengebers. Ebenfalls nicht mehr vorhanden ist eine am 6. November 1987 im Eingangsbereich von Haus 6 des heutigen Bezirksamtes in der Fröbelstraße 17 enthüllte Gedenktafel für die beiden von der NS-Justiz zum Tode verurteilten Bezirksverordneten der KPD Gustav Schiefelbein und Hermann Tops. Wie aus dem Text hervorging, sollte mit der Tafel zugleich an alle kommunistischen und sozialdemokratischen Stadtbezirksverordneten von Prenzlauer Berg erinnert werden, die im Kampf gegen das NS-Regime ihr Leben gelassen hatten. Diese Gedenktafel wurde im Februar 1992 entfernt. Und schließlich hat auch die am 16. Januar 1976 am Wohnhaus von Hermann Tops in der Kopenhagener Straße enthüllte Gedenktafel die Zeit nicht überdauert. Die kleine Straße am Jahn-Sportpark aber erinnert bis heute an den Arbeitersportler und Kämpfer gegen das NS-Regime.

K. Grosinski

  1. Die Kampfgemeinschaft für Rote Sporteinheit (KG) wurde auf Initiative und unter Führung der KPD im Dezember 1930 gegründet. Leiter der KG war Ernst Grube, Mitglied des Zentralkomitees der KPD. Ziel der unter dem Eindruck des Aufschwungs der NS-Bewegung in Deutschland gebildeten Organisation war, die antifaschistisch gesinnten Arbeitersportler in kommunistisch geführtem Sportvereinigungen zusammenzufassen. Sie richtete sich somit insbesondere gegen die sozialdemokratisch geführten Sportvereine, in denen in der Weimarer Republik nach wie vor die Mehrheit der Arbeitersportler organisiert war. Den Führern der SPD gab die KG ganz im Sinne der KPD die alleinige Schuld an der Spaltung der Arbeiter-Turn- und -Sport-Bewegung und warf ihnen Unredlichkeit und Versagen im Kampf gegen die Nazi-Bewegung vor. Nach inoffiziellen Angaben umfasste die KG Ende 1932 rund 4000 Vereine mit etwa 250 000 Mitgliedern. Nach der Errichtung der NS-Diktatur gingen die Reichsleitung und die Landesleitungen der KG in die Illegalität und leiteten den Widerstand gegen das NS-Regime in den Vereinen. Aufgrund von Verhaftungen musste die illegale Reichsleitung der KG dreimal ersetzt werden, bis sie 1935 aufhörte zu bestehen.

Veröffentlicht im Falkblatt Nr. 15, Februar 2004, S. 11

Artikel gespeichert unter: Historische Orte,Orte

Ihr Kommentar

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu schreiben.

Trackback diesen Artikel  |  Kommentare als RSS Feed abonnieren


Aktuelle Artikel