Mehr Transparenz – mehr Engagement

27.Mai 2007

Illu

Der Kiez-Rat – ein Neuanfang

Das Ende einer Ära – der Vergabebeirat tagte Anfang Mai zum letzten Mal um die letzten Fördermittel aus dem Programm Soziale Stadt zu vergeben.

Viele Projekte im und um den Kiez konnten durch diese Fördermittel finanziert werden und damit den ganzen Kiez bereichern. Von Jugendarbeit über Sport, Musik, Theater bis hin zu Projekten speziell für Senioren – die Kreativität und Vielfalt war beispiellos.

Ermöglicht wurde die Förderung durch sogenannte “Bewohner getragene Strukturen”. Anwohner, Akteure und Initiativen engagierten sich ehrenamtlich um aus der grossen Anzahl der Fördermittel-Bewerber diejenigen Projekte auszuwählen, welche nachhaltig die Lebensqualität in unserem Gleimkiez verbessern konnten. Der Bezirk selbst hatte die Anwohner nach dem Abzug des Quartiermanagement beauftragt – wohlwissend daß die Bewohner selbst am besten wissen, was sie wirklich brauchen.


Nun da alle finanziellen Fördermittel verbraucht sind, wird sich der Vergabebeirat auflösen und die beiden Kieztreffbetreuerinnen werden ihre Koordinations- und Vernetzungsarbeit im Kiez-Büro einstellen müssen.

Zeit für einen Schlusstrich – Ende gut, alles gut..?

Zwar gibt es keine Fördermittel mehr zu vergeben, das Engagement der Anwohner ging aber weit über die Verteilung von Geldern hinaus. Es ist ein Kiez-Netzwerk entstanden, daß sich auch sozialen, kulturellen und manchmal sogar politischen Themen angenommen hat.

Der Vergabebeirat war ein Gremium, das sich aus einer breiten Basis unseres Viertel zusammengesetzt war: Anwälte, Erzieher, Gewerbetreibende, Künstler, Vereine, Initiativen, die Schule am Falkplatz, Senioren und natürlich auch Menschen ohne festes Standbein im ersten Arbeitsmarkt.

Diese bunte Gruppe als Sinnbild der Vielfalt im Gleimkiez versuchte nach Kräften die Ideen, Projekte und Aktiven im Kiez zu unterstützen – bislang mit grossem Erfolg.
An diesen Erfolg möchten wir (1) im Kiez nun anknüpfen. Eine aktiver Kreis, der sich sich für die Belange unseres Viertels einsetzt. Denn der Bedarf und die Herausforderungen sind gross: Bürgerbeteiligung ist in letzter Zeit Mangelware geworden. Auf allen Ebenen wurden in letzter Zeit Entscheidungen gerne schnell unter Ausschluss der Öffentlichkeit gefällt – so wird vermeintlich Geld und Zeit gespart, vielfach auf Kosten der Betroffenen. Es liegt an uns, das Mitspracherecht der Bürger wieder einzufordern und vorhandenes Engagement aktiv zu fördern.

Zeit für einen Neuanfang – aktiv für den Kiez …!

Ein Bürger-Gremium wie der “Kiez-Rat” bietet Chancen:

– Vernetzung der Bürger und Initiativen untereinander
– Förderung von ehrenamtlichen Engagement
– Dialog zwischen Anwohnern und Bezirk, BVV, Grünflächen-, Tiefbauamt, Senat für Stadtentwicklung, Stadtteil Managements
– Stärkung von Mitspracherecht und Transparenz
– Schlichtungsstelle und Mediationsmöglichkeit bei Kiez-Konflikten
– Schaffung von Finanzierungsmöglichkeiten für Kiez-Projekte

In Zeiten der knappen Stadtkassen macht es keinen Sinn, den Kopf in den Sand zu stecken. Gerade jetzt bieten sich Chancen selbst die Initiative zu ergreifen.

Auf der Kiezkonferenz im April wurde deutlich, daß es unterschiedliche Vorstellungen beim Thema Transparenz und Bürgerengagement gibt. Wie bei den Anwohnerrunden zum Thema Kieztreff, Kiezportal und Kiez-Technikpool deutlich zu erkennen war, hat der Vorstand des Bürgervereins Gleimviertel e.V. kein Interesse Transparenz in seine Aktivitäten zu bringen. Als Träger von Kiez-Einrichtungen und die Finanzierung dieser durch Steuermittel wäre der Verein allerdings zu mehr Transparenz verpflichtet gewesen.

Für die Zukunft ist es nötig ein Gremium zu schaffen, daß das notwendige Vertrauen aller Kiezbewohner besitzt. Deswegen wurde in der Kiezkonferenz mit grosser Mehrheit der Anwohner für die Etablierung eines offenen Bürger-Gremiums gestimmt (20 dafür, 3 dagegen, 5 enthalten). Aktives Engagement, Mitspracherecht und Transparenz soll auch ohne Vereinsbindung möglich sein.

Der Kiez-Rat als runder Tisch und Anlaufstelle bedeutet einen Neuanfang für alle Kiez-Interessierten. Gemeinsam und transparent werden wir die Interessen aller Anwohner unterstützen. Gemeinsam mit den Behörden und Politikern werden wir mit dem Kiez-Rat für beide Seiten die besten Lösungen finden.

In den nächsten Monaten wird es Gespräche geben, in denen díe Aufgabenfelder des Kiez-Rates, die Geschäftsordnung und weitere Details erarbeitet und diskutiert werden. Im Herbst werden dann die Ideen und interessierte und engagierte Anwohner auf einer grossen Kiezkonferenz zur Wahl gestellt.

Wer sich jetzt schon über den Stand der Entwicklung informieren möchte kann das auf der ehrenamtlich geführten Internetseite www.gleimkiez.de tun. Dort werden alle relevanten Themen zur Diskussion gestellt und gemeinsame Termine und Ergebnisse transparent und übersichtlich dokumentiert.

Alexander Puell

(1) Birgit Blank, Simone Krausskopf, Marina Pechardscheck, Bodo Schliefke, Piotr Pan, Thomas Jorkisch, Alexander Puell und last but not least auch Mitglieder des Bürgervereins.

Artikel gespeichert unter: Aktuelles,Allgemein,Kiezrat,Konzept,Planung

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