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Sportstätte mit Zukunft

Aus der Geschichte des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks (IV)

Am 21. Februar 1990 beschloss die Stadtbezirksversammlung Prenzlauer Berg, auf dem ehemaligen Grenzstreifen zwischen Eberswalder Straße und Gleimstraße einen „Mauerpark“ zu errichten. Sie folgte damit einem Vorschlag des „Runden Tisches“ der Parteien und Organisationen des Bezirks, der nach dem Mauerfall als demokratisch legitimierte Vertretung gebildet worden war. Vier Monate später, am 18. Juni 1990, wurde aus dem Mauerstreifen vor dem Gleimtunnel das erste Segment entfernt. Ein Vierteljahr danach erfolgte die Freigabe des Tunnels zunächst für Fußgänger und Radfahrer und am 5. Oktober 1993 – trotz massiver Proteste der Anwohner auf beiden Seiten des Bauwerks – schließlich auch für Pkws.
Nach der Öffnung der Mauer rückte auch das Gelände des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks rasch ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Gemäß dem Nutzungskonzept des Berliner Senats für die Sportstätte standen die weiträumigen Sportanlagen sehr schnell wieder für den bezirklichen Schul- und Vereinssport zur Verfügung. Das Stadion, obwohl schon längst nicht mehr im Bestzustand, wurde von verschiedenen Fußballclubs, darunter von Blau Weiß 90, dem ältesten Fußballverein Berlins, und dem größten türkischen Fußballklub der Stadt, Türkiyemspor Berlin e. V., als Heimspielstätte genutzt.(1) Als sich herausstellte, dass die Stahlkonstruktion der Haupttribüne mit gesundheitsschädlichen Asbestzementplatten ausgekleidet war, wurde die Anlage Ende 1991 geschlossen und mit beträchtlichem finanziellen Aufwand renoviert und modernisiert.

Im Olympiafieber

Das Interesse am Jahn-Sportpark wuchs um ein Vielfaches, als sich das vereinte Berlin beim IOC um die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2000 bewarb. Nach den Vorstellungen der Stadtväter und Sportverantwortlichen sollte er einer der zentralen Standorte der olympischen Wettkampfstätten werden. Vorgesehen war der Bau einer Boxsporthalle für 10 000 Zuschauer. Ihr sollte sich zur Eberswalder Straße hin eine Judo-Halle mit 6 000 Plätzen anschließen. Während die Architekturwettbewerbe für die Neugestaltung des ehemaligen „Exers“ liefen, diente das nach Abschluss seiner Sanierung als bundesligatauglich eingestufte Stadion wiederholt als Austragungsort von hochrangigen Fußballspielen. Aber nicht nur das. Für viele völlig überraschend trat am 4. September 1992 US-Rockstar Michael Jackson vor 40 000 begeisterten Zuhörern in der Spielstätte auf. Das Konzert hatte ursprünglich auf dem Maifeld am Olympiastadion stattfinden sollen.

Mehrzweckhalle vom Feinsten

Nach dem Scheitern der Olympiawerbung Berlins im September 1993(2) wurde das Projekt der Boxsporthalle im Gegensatz zur Judohalle nicht zurückgestellt. Sie sollte jetzt jedoch als Mehrzweckhalle entstehen und eine multifunktionale Nutzung gestatten. Sieger im Wettbewerb wurde das von den Architekten Jörg Joppien, Anett-Maud Joppien und Albert Dietz eingereichte Projekt. Die Jury hatte sich für das von ihnen geplante Bauwerk auch deshalb entschieden, weil es sich der Landschaft am Falkplatz und am Mauerpark unterordnete und sein erhebliches Volumen von 320 000 m³ nur erahnen ließ.
Am 23. Juni 1993 erfolgte die Grundsteinlegung und knapp dreieinhalb Jahre später am 14. Dezember 1997 wurde die Großsporthalle im Beisein des Namengebers, des 91-jährigen deutschen Boxidols Max Schmeling, unter dem Jubel der vielen tausend Zuschauer und zahlreicher Ehrengäste offiziell eingeweiht. Die Max-Schmeling-Halle mit rund 8 000 Plätzen auf den Tribünen – bei der Bestuhlung des Innenraums kommen noch 2 000 Plätze hinzu – und weiteren 1 500 Plätzen in den drei kleineren Sporthallen wurde zum größten Sporthallen- und Mehrzweckbau in Berlin.(3)
Welche vielfältigen Möglichkeiten die neue Halle eröffnete, lässt sich am besten an der Bandbreite der hier seit ihrer Fertigstellung durchgeführten sportlichen Wettkämpfe und kulturellen Veranstaltungen ermessen. Ob Weltmeisterschaft im Formationstanz, Militärmusikfestival, Rock- und Pop-Konzerte mit internationalen Stars, hochkarätige Handball-Länderspiele, Boxkämpfe oder die Spiele des mehrfachen deutschen Basketballmeisters Alba-Berlin – die Halle bietet höchsten technischen Standard, eine sehr gute Akustik und ansprechenden Service für die Zuschauer.

Zukunftsfähig

Knapp anderthalb Jahre nach der Grundsteinlegung für den Bau der Max-Schmeling-Halle war am 12. November 1994 der erste Abschnitt des Mauerparks zwischen Eberswalder Straße und Gleimtunnel übergeben worden. Die nach dem Projekt des Hamburger Gartenarchitekten Prof. Gustav Lange gestaltete Anlage enthielt viele attraktive Angebote für Freizeit und Erholung. Zudem erinnerte ein auf der westlichen Anhöhe zum Jahn-Sportpark gelegener 140 Meter langer Teil der ehemaligen Berliner Mauer an die mehr als 28-jährige Teilung der Stadt. Vermisst aber wurde von vielen Bewohnern aus dem Kiez der Kinderbauernhof, der ursprünglich Teil des 1. Mauerparkabschnitts sein sollte. Er wurde erst 1999 nach schier endlosen Querelen um seine Finanzierung übergeben.(4)
Mehrere Jahre diente der Jahn-Sportpark auch dem American-Football-Team von „Berlin Thunders“ als Spielstätte. In der Hoffnung auf höhere Besucherzahlen zog der Verein jedoch Anfang 2003 zum Olympia-Stadion. Überhaupt war die Sportstätte im Norden Berlins nach dem Mauerfall häufig als Ersatz für das Olympia-Stadion, dessen Sanierung und Modernsierung im Jahr 2002 begonnen hatte, angesehen worden. So trafen sich hier 2002 und 2003 auch Top-Leichtathleten aus aller Welt zum Internationalen Stadionfest (ISTAF) und lieferten sich vor voll besetzten Stadionrängen packende Wettkämpfe. Zwar war das Stadion mit 21 000 Zuschauerplätzen wesentlich kleiner als die Arena in Charlottenburg, aber es bot modernste Stadiontechnik und ermöglichte den Zuschauern eine bessere Übersicht über die sportlichen Vergleiche. Beim 62. ISTAF 2003 im Jahn-Sportpark gab es sogar eine Premiere: Erstmals in der Geschichte der Stadionfeste wurde neben den sportlichen Wettbewerben ein unterhaltsames Rahmenprogramm geboten, zu dessen Höhepunkten ein Live-Konzert mit Yvonne Catterfield zählte.
Die Sportanlagen an der Cantianstraße profitierten seit Ende der 90er Jahre auch von der Stilllegung des Stadions der Weltjugend an der Chausseestraße, das dem Bau einer großzügig geplanten, aber nie realisierten Wettkampfstätte weichen musste. Der dadurch entstandene Verlust an Trainingsplätzen- und Spielflächen für den Vereinssport wurde zum Teil durch den Bau von entsprechenden Anlagen im Jahn-Sportpark ausgeglichen.

Ausblick

Seit 2004 findet das ISTAF wieder im Olympiastadion statt und auch zahlreiche andere Veranstaltungen werden wieder bevorzugt dort ausgetragen. Dennoch wird der im Zentrum der Stadt verkehrsgünstig gelegene Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark auch künftig als Austragungsort von nationalen und internationalen Sportwettkämpfen und von Großveranstaltungen einen herausragenden Platz unter den Berliner Sportstätten und vergleichbaren Veranstaltungsorten einnehmen. Ganz zu schweigen von seiner wichtigen Rolle im Schul-, Vereins- und Freizeitsport. Aber die Zahl derer, die vom „Exer“ sprechen, wenn sie das Gelände des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks meinen, wird sich weiter ständig verringern.

K. Grosinski

  1. Siehe Berlin Handbuch. Das Lexikon der Bundeshauptstadt, FAB Verlag, Berlin 2002, S. 414 f.

  2. Das Internationale Olympische Komitee vergab auf seiner Tagung am 23. September 1993 die Olympischen Sommersiele im Jahre 2000 nach Sydney (Australien).

  3. Berlin und seine Bauten. Hrsg. vom Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin, Teil VII, Band C: Sportbauten, Berlin 1997, 105.

  4. Der Kinderbauernhof öffnete schließlich 1999 etwas weiter nördlich seine Pforten und heißt seit 2003 „Jugendfarm Moritzhof“.

Veröffentlicht in Falkblatt Nr. 19, September 2005, S. 10/11

jetzt kommentieren? 07. September 2005

“Negerdorf”, Freiluftschule, Sonnenwendfeier

Aus der Geschichte des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks (II)

Ende 1912 hatte Stadtgartendirektor Brodersen den Plan für die Gestaltung der östlichen Hälfte des ehemaligen Exerzierplatzes fertiggestellt. Er sah eine große Volks- und Spielwiese, öffentliche Plätze für Sport- und Turnverbände sowie Erholungs- und Betätigungsflächen für die Anwohner vor. Mit der Bauausführung wurde noch vor 1914 begonnen.
Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges gerieten die Arbeiten jedoch rasch ins Stocken und – Ironie der Geschichte – noch einmal dienten Teile des riesigen Areals für militärische Übungen. Diesmal waren es die älteren Schüler aus den umliegenden höheren Schulen, die hier nach dem Unterricht in so genannten Jugendkompanien gedrillt und für den Kriegseinsatz vorbereitet wurden.

“Negerdorf“ und Freiluftschule

Nach Kriegsende kam die Umgestaltung des Areals nur langsam wieder in Gang. Es fehlte an Geld und Arbeitskräften. An der nordöstlichen Ecke des Platzes an der Gaudystraße jedoch entstand ein Planschbecken, das an warmen Tagen die Kinder zum Baden lockte. Die westliche Hälfte aber blieb dem Militär vorbehalten und war mit einer hohen Mauer umgeben.
Zwischen dem östlichen und dem westlichen Teil des „Exers“ befand sich seit 1915 die Rudolf-Mosse-Straße. Sie verlief als Verlängerung der Sonnenburger von der Gaudy- bis zur Eberswalder Straße. Die Benennung war auf Vorschlag des Berliner Magistrats erfolgt, der mit der Namensgebung nicht nur den Verleger und Begründer eines Zeitungsimperiums Rudolf Mosse (1843-1920) ehrte, sondern vor allem auch dessen jahrzehntelanges soziales Engagement für die Stadt würdigte.
Im Winter 1919/1920 wurde am nordöstlichen Zipfel des „Exers“, an der Grenze zum Falkplatz, eine Holzhaussiedlung zur Unterbringung von Wohnungslosen errichtet.(1) Die 37 Doppelhäuser in Holztafel-Konstruktion hatten 80 Quadratmeter Grundfläche, ein Dachgeschoss, waren beheizbar und vor jeder Reihenhaushälfte befand sich ein Garten. Im Volksmund hieß die Holzhaus-Siedlung Schwedter Straße“, wie sie offiziell genannt wurde, bald „Negerdorf“.
Im südwestlichen Teil, an der Eberswalder Straße, entstand etwa zur gleichen Zeit ein Ambulatorium für tuberkulosekranke Kinder. Es wurde 1922 mit einer Freiluftschule verbunden.(2) Mädchen und Jungen hatten im Wechsel an drei Tagen in der Woche Unterricht und an den anderen drei Wochentagen wurden sie von Ärzten und Schwestern medizinisch betreut.

Sport, Spiel und Freizeitvergnügen

Mitte der 20er Jahre war die bauliche und gärtnerische Gestaltung des „Exers“ im Wesentlichen abgeschlossen. Die Masse der Sportplätze lag an einem Wegekreuz mit baumgefassten Wandelgängen.
Zahlreiche bürgerliche und proletarischen Sportvereine und -gemeinschaften nutzten gern das weiträumige Sport-, Spiel- und Übungsgelände. Auch die umliegenden Schulen verlegten häufig bei günstigem Wetter den Turnunterricht hierher.
Jeweils im Herbst sah man über dem ausgedehnten Terrain ganze Geschwader von Drachen, Tauben und Schwalben hoch in der Luft schweben. Kinder, Jugendliche und sicher auch stolzen Vätern bereitete es Freude, hier ihre selbst gebauten Flugkörper auszuprobieren.
Zu erwähnen bleibt auch, dass Teile des Areals immer wieder an Zirkusse vermietet wurden. Sie schlugen besonders gern am südlichen Ende der Cantianstraße ihre Zelte auf.
Aber nicht nur für Sport und Spiel wurde der Platz genutzt. In den 20er und zu Beginn der 30erJahre fanden hier regelmäßig um den 21. Juni die Feiern zur Sommersonnenwende statt.(3) Sie wurden vor allem von den Arbeitsportvereinen, die auf dem „Exer“ trainierten, vorbereitet und durchgeführt. Bis in die späte Nacht hinein saß man beim Schein des Feuers in geselliger Runde und sang die alt vertrauten Lieder.
Überliefert ist auch, dass das Bezirksamt Prenzlauer Berg in jedem Jahr Anfang August hierher zur „Verfassungsfeier“ einlud. Auf diesen Veranstaltungen, bei denen an die Unterzeichnung der Weimarer Verfassung am 4. August 1919 erinnert wurde, trafen sich regelmäßig die Vertreter der demokratischen Parteien und Organisationen. Nicht selten sprach der Bezirksbürgermeister selbst zu den Versammelten und würdigte den demokratischen Geist der Verfassung von Weimar.

Unter dem NS-Regime

Reden dieses Inhalts waren nicht mehr zu hören, nachdem am 30. Januar 1933 die Nazis die Macht übernommen hatten. Schon bald hallten wieder militärische Kommandos über den ehemaligen Exerzierplatz, wenn Kolonnen der SA (Sturmabteilungen der NSDAP) aufmarschierten oder die älteren Jahrgänge der Hitler-Jugend gedrillt wurden. Mit Argwohn betrachteten nicht wenige Anwohner diese Machtdemonstrationen des neuen Regimes. Vor allem die Arbeitersportler begannen den Platz zunehmend zu meiden.
Ausdruck der Geisteshaltung der neuen Machthaber war die Tilgung des Namens Rudolf-Mosse-Straße. Diese erfolgte 1938 in Verbindung mit der angeordneten Umbenennung von Berliner Straßen, die nach jüdischen Persönlichkeiten benannt worden waren.
Ein Jahr zuvor war die am Südrand des „Exers“ zwischen Cantian- und Eberswalder Straße – vor den neu entstandenen Wohnbauten – gelegene (heutige Tops-) Straße nach einem Nazi-Aktivisten in Ludwigstraße benannt worden.(4)
Im Zweiten Weltkrieg wurden die Sport-, Spiel- und Grünanlagen auf dem „Exer“ stark zerstört. Besonders schwer betroffen wurden die Bewohner der Siedlung an der Schwedter Straße. Ihre Holzhäuser brannten noch in den letzten Monaten des Krieges nach einem Bombenangriff mit einer Ausnahme alle aus.

K. Grosinski

  1. Siehe hierzu Annett Gröschner: “Das haben hier alle nur Negerdorf genannt“. In: Grenzgänger. Wunderheiler. Pflastersteine. Die Geschichte der Gleimstraße in Berlin. Hrsg. vom Prenzlauer Berg Museum, Basisdruck Berlin 1998, S. 283 ff.

  2. Siehe Klaus Grosinski: Prenzlauer Berg. Eine Chronik. Hrsg. vom Kulturamt Prenzlauer Berg, Prenzlauer Berg Museum, Dietz Verlag Berlin, S. 95.

  3. Zu einer solchen Sonnenwendfeier auf dem ehemaligen Exerzierplatz lud beispielsweise die Fichte Wandersparte für den 19. Juni 1930 – Beginn 23 Uhr – ein. (Siehe Kampfgenoss. Monatsschrift des Arbeitersportvereins Fichte – Berlin, H. 5, Mai 1930, S. 56.)

  4. Zu den Straßenbenennungen siehe Straßennamen von A bis Z. Lexikon der aktuellen Namen Berliner Straße und Plätze in vier Bänden, Edition Luisenstadt Berlin 1995

Veröffentlicht in Falkblatt Nr. 17, August 2004, S. 11/12

jetzt kommentieren? 13. August 2004

Vom “Exer” zum Spiel- und Sportplatz

Aus der Geschichte des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks (I)

„Kommste mit auf’n Exer?“ Wie oft habe ich diese Frage in meiner Kindheit von Schul- oder Spielkameraden gehört oder selbst gestellt. Jeder von uns wusste sofort, dass mit „Exer“ das Gelände zwischen Schwedter, Eberswalder, Cantianstraße und Rhinower Straße gemeint war. Die Bezeichnung für dieses Gebiet hat sich bis heute erhalten, und das obwohl auf dem einstigen Exerzierplatz seit weit über hundert Jahren keine militärischen Übungen stattfinden.

Exerzierplatz „Einsame Pappel“

1825, vor nunmehr 180 Jahren, verkaufte der Grundbesitzer Wilhelm Griebenow (1) ein damals noch weit vor den Toren der Stadt an der Chaussee nach Pankow gelegenes, 27 ha großes Terrain für 9518 Taler an das Preußische Kriegsministerium. Weithin sichtbares Kennzeichen des schon bald vom Alexanderregiment für militärische Übungen genutzten Geländes war eine einzeln stehende, hoch aufragende Pappel an seiner Südseite. Sie gab dem Exerzierplatz den Namen „An der Einsamen Pappel“. Während der Revolution von 1848 versammelten sich bei dem markanten Baum wiederholt demokratische Kräfte der preußischen Hauptstadt.(2) Doch schon bald danach diente das weitläufige Gelände wieder ausschließlich als Exerzierplatz.
Und so blieb es auch noch nach 1860, als längst zahlreiche Häuser die seit 1841 Schönhauser Allee genannte Ausfallstraße nach Pankow säumten. Wie ein Augenzeuge aus jenen Jahren berichtet, war es nicht nur für die Jugend, sondern für alle Bewohner in jedem Jahr ein besonderes Ereignis, wenn das Alexanderregiment seine Übungen für die Frühjahrsparade aufnahm. „An solchem Tage fuhr auch König Wilhelm I., begleitet von seinem Adjutanten, begrüßt von jung und alt, die Schönhauser Allee hinaus zur Ecke der Kastanienallee.“ Hier stieg er zu Pferde, um dem Exerzieren, den Felddienstübungen und dem Sturm auf die im Nordwesten des Platzes gelegenen Schanzen beizuwohnen.(3)
Erst in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts stellte das Militär den Exerzierbetrieb auf dem bereits weitgehend umbauten Gelände ein. Ende 1894 erwog der Militärfiskus sogar den Verkauf des Exers. Vor allem die Königliche Eisenbahndirektion hoffte auf dessen Erwerb, um das Bahngelände an der Schwedter Straße erweitern zu können. Die Stadt aber setzte sich entschieden gegen derartige Pläne, die nicht nur zur Verschiebung der Schwedter Straße, sondern auch zur Verhinderung der Anlegung des Platzes N (des späteren Falkplatzes) geführt hätten, zur Wehr. So genehmigten die Militärbehörden schließlich die Nutzung des Platzes als Erholungsstätte.

Eine Wiege des Berliner Fußballs

Inzwischen aber hatten die Bewohner des Viertels an der Schönhauser Allee den Exer längst für sich entdeckt. Die weite Rasenfläche lud ein zu Spiel und Sport und die schönen Baumreihen am Rande boten angenehme Promenadenwege. In der Woche tummelten sich die Kinder der umliegenden Straßen auf dem Areal. Sonntags aber gehörte der Platz vor allem den Fußballern. So fand 18. April 1892 auf dem Exerzierplatz „Einsame Pappel“ ein Fußballspiel zwischen dem Berliner und dem Dresdner Fußballclub statt. Die Kicker aus Dresden gewannen 3:0.(4)
Knapp drei Monate später, am 25. Juli 1892, fasste eine Gruppe junger Leute auf dem nahe gelegenen Arkonaplatz den Beschluss, einen Fußballverein zu gründen. Er sollte Hertha heißen. Als Spielort diente dem BFC Hertha 92 (später Hertha BFC) mehr als ein Jahrzehnt der „Exer“. Erst 1904 wich man auf eine neue Sportanlage nahe dem Bahnhof Gesundbrunnen in der Bellermannstraße aus.(5)

Feilschen um die Nutzung des Exers

Nach der Jahrhundertwende geriet der Exerzierplatz zunehmend ins Blickfeld der Polizei. Ende 1906 beklagten sich die Leiter mehrer nahe gelegener Polizeireviere in Schreiben an das Polizeipräsidium über die unhaltbaren, z. T. sittenwidrigen Zustände auf dem weitläufigen Gelände. Insbesondere in dem Teil nahe der Milastraße, wo der Platz jeder Einfriedung entbehre, hätte allerhand Gesindel ungehinderten Zugang. Das Militär plante schließlich, den Exer mit einer hohen Mauer zu umgeben. Zu Recht weigerte sich die Stadt jedoch, die Kosten für deren Bau zu übernehmen. Indes fanden die Klagen von Anwohnern und die Beschwerden der Polizei bei den Militärbehörden kein Ende. Im Mai 1910 signalisierte das Kriegsministerium sein Einverständnis zum Verkauf eines Teils des Exerzierplatzes „Einsame Pappel“.
Um den Erwerb der Immobilie und vor allem um deren Nutzung entbrannte ein heftiger Streit. Die Interessen der Bahn, die nach wie vor das Gelände des Nordgüterbahnhofs erweitern wollte, kollidierten mit denen der Kirche, die eine Vergrößerung des in der Schönhauser Allee 140 gelegenen Frommelheims plante. Die Stadt bereitete dem Zwist schließlich ein Ende. Nachdem die Stadtverordneten im Juni 1911 zugestimmt hatten, kaufte der Berliner Magistrat 1912 den östlichen Teil des Exerzierplatzes für 6,5 Millionen Mark vom Militärfiskus. Dort sollten – gegen den Willen der Grundbesitzer, die den Bau von Wohnhäusern favorisierten – Spiel- und Sportplätze angelegt und Bäume gepflanzt werden. Der städtische Gartendirektor Brodersen erhielt den Auftrag, einen speziellen Entwurf zur Gestaltung der geplanten Spiel- und Sportanlage nahe der Schönhauser Allee zu erarbeiten.

K. Grosinski

  1. Wilhelm Griebenow besaß mit weit über 500 Morgen Land einen beträchtlichen Anteil am Grundbesitz auf dem Gebiet des späteren Bezirks Prenzlauer Berg. Als er 1865 im Alter von 81 Jahren starb, war er mehrfacher Millionär.
  2. Siehe dazu vom Vf. des vorliegenden Beitrags: Die Einsame Pappel an der Topsstraße. In: Falkblatt, Nr. 14, Dezember 2003, S. 11.
  3. Otto Behrendt/Karl Malbranc: Auf dem Prenzlauer Berg. Beiträge zur Heimatkunde des Bezirks IV Berlin, Frankfurt a. M. und Berlin 1928, S. 34.
  4. Siehe Leipziger Illustrirte Zeitung, Mai 1892. – Vergleiche auch die Abbildung.
  5. Siehe Eberhart Wittig: „Ha-Ho-He Hertha BSC“, München 1971.

Veröffentlicht in Falkblatt Nr. 16, Juni 2004, S. 11

jetzt kommentieren? 05. Juni 2004

Hermann Tops

Ein Arbeitersportler und Kämpfer gegen das NS-Regime aus dem Kiez

Wer mit wachen Augen von der U-Bahn-Station Eberswalder Straße kommend, die Schönhauser Allee in Richtung Pankow entlang geht, der wird, kurz bevor er den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark erreicht, eine schmale Straße entdecken – die Topsstraße. Zusammen mit der Eberswalder Straße bildet sie die südliche Begrenzung des Sportparks. Benannt wurde sie nach dem antifaschistischen Widerstandskämpfer Hermann Tops.

Sie nannten ihn „Männe“

Der mit der Benennung einer Straße Geehrte wurde am 18. Juli 1897 in Prenzlauer Berg geboren. Nach der Volksschule erlernte er den Beruf eines Werkzeugmachers. 1919 schloss er sich dem Metallarbeiterverband und der Sozialistischen Arbeiterjugend an. 1923 wurde er Mitglied der KPD und Betriebsratsvorsitzender. Von früher Jugend an war er aktiv im Arbeitersportverein „Fichte“ tätig. Er trainierte in der an der Ystader Straße gelegenen Sporthalle des ehemaligen Luisenstädtischen Gymnasiums und betreute dort auch Turnernachwuchs. Ende der 1920er Jahre wurde „Männe“ – wie seine Sportfreunde Hermann Tops gern nannten – für seine Partei in die Bezirksverordnetenversammlung Prenzlauer Berg gewählt. Als Arbeitersportler übte er seit Ende 1931 die Funktion des Turnwarts von Berlin-Brandenburg im Vorstand der „Kampfgemeinschaft für Rote Sporteinheit“ (1) aus. Als nach dem 30. Januar 1933 die NS-Machthaber die kommunistischen und sozialdemokratischen Sportorganisationen verboten, gelang es ganzen Gruppen von Arbeitersportlern aus Prenzlauer Berg, in politisch unverdächtigen Sportvereinigungen, vor allem im „Berliner Turnverein 1862“, unterzukommen. Bald tauchten dort auch illegale Flugblätter gegen das NS-Regime auf. Der Gestapo konnte die politischen Aktivitäten der ehemaligen Roten Sportler nicht verborgen bleiben. Als am 12. Oktober 1933 Mitglieder der zentralen wie der örtlichen Leitung der Kampfgemeinschaft für Rote Sporteinheit verhaftet wurden, befand sich unter ihnen auch Hermann Tops. Wegen seiner antifaschistischen Tätigkeit wurde er zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Kaum entlassen, nahm er wieder am illegalen Kampf gegen die NS-Diktatur teil. Als Mitarbeiter einer Maschinenbaufirma in Berlin-Wittenau begann er mit dem Aufbau illegaler Widerstandsgruppen in Berliner Rüstungsbetrieben. 1939 schloss er sich wie viele andere frühere Arbeitersportler der von Robert Uhrig geleiteten Widerstandsgruppe an und wurde zum Verbindungsmann der Uhrig-Gruppe zu der großen Widerstandsorganisation um den Kommunisten von Anton Saefkow, die im Berliner Nordosten mehrere Stützpunkte im betrieblichen Bereich besaß. Am 4. Februar 1942 wurde Hermann Tops erneut verhaftet, nach qualvoller Kerkerhaft im Juni 1944 zusammen mit Ernst Knaack, Heinrich Preuß, Wilhelm Rietze, Artur Sodtke und anderen Arbeiterfunktionären aus Prenzlauer Berg zum Tode verurteilt und am 14. August 1944 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet.

Im Gedenken an Hermann Tops

Seit 31. Januar 1952 trägt die Topsstraße seinen Namen. 25 Jahre später erhielt die nur wenige hundert Meter vom letzten Wohnsitz von Hermann Tops entfernt liegende 8. Polytechnische Oberschule (POS) Prenzlauer Berg in der Kopenhagener Straße 50 den Namen „Hermann-Tops-Oberschule“. Dieser Name war für die Traditionspflege an der Schule geschickt gewählt worden. Hatte doch der vom NS-Regime hingerichtete Arbeitersportler seine Übungsstunden in der Turnhalle der Schule abgehalten und keine fünf Minuten entfernt in der Kopenhagener Straße 46 gewohnt. In der Aula der 8. POS hing bis zur Auflösung der Schule im Sommer 1991 und der Neueröffnung der 11. Grundschule ein überlebensgroßes Porträt des einstigen Namengebers. Ebenfalls nicht mehr vorhanden ist eine am 6. November 1987 im Eingangsbereich von Haus 6 des heutigen Bezirksamtes in der Fröbelstraße 17 enthüllte Gedenktafel für die beiden von der NS-Justiz zum Tode verurteilten Bezirksverordneten der KPD Gustav Schiefelbein und Hermann Tops. Wie aus dem Text hervorging, sollte mit der Tafel zugleich an alle kommunistischen und sozialdemokratischen Stadtbezirksverordneten von Prenzlauer Berg erinnert werden, die im Kampf gegen das NS-Regime ihr Leben gelassen hatten. Diese Gedenktafel wurde im Februar 1992 entfernt. Und schließlich hat auch die am 16. Januar 1976 am Wohnhaus von Hermann Tops in der Kopenhagener Straße enthüllte Gedenktafel die Zeit nicht überdauert. Die kleine Straße am Jahn-Sportpark aber erinnert bis heute an den Arbeitersportler und Kämpfer gegen das NS-Regime.

K. Grosinski

  1. Die Kampfgemeinschaft für Rote Sporteinheit (KG) wurde auf Initiative und unter Führung der KPD im Dezember 1930 gegründet. Leiter der KG war Ernst Grube, Mitglied des Zentralkomitees der KPD. Ziel der unter dem Eindruck des Aufschwungs der NS-Bewegung in Deutschland gebildeten Organisation war, die antifaschistisch gesinnten Arbeitersportler in kommunistisch geführtem Sportvereinigungen zusammenzufassen. Sie richtete sich somit insbesondere gegen die sozialdemokratisch geführten Sportvereine, in denen in der Weimarer Republik nach wie vor die Mehrheit der Arbeitersportler organisiert war. Den Führern der SPD gab die KG ganz im Sinne der KPD die alleinige Schuld an der Spaltung der Arbeiter-Turn- und -Sport-Bewegung und warf ihnen Unredlichkeit und Versagen im Kampf gegen die Nazi-Bewegung vor. Nach inoffiziellen Angaben umfasste die KG Ende 1932 rund 4000 Vereine mit etwa 250 000 Mitgliedern. Nach der Errichtung der NS-Diktatur gingen die Reichsleitung und die Landesleitungen der KG in die Illegalität und leiteten den Widerstand gegen das NS-Regime in den Vereinen. Aufgrund von Verhaftungen musste die illegale Reichsleitung der KG dreimal ersetzt werden, bis sie 1935 aufhörte zu bestehen.

Veröffentlicht im Falkblatt Nr. 15, Februar 2004, S. 11

jetzt kommentieren? 18. Februar 2004

Meine drei Annäherungen an “Vater Gleim”

Zum 200. Todestag des Dichters Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719–1803)

Als ich während meiner Schulzeit 1958 auf einer Radtour in den Harz zum ersten Mal in Halberstadt Station machte, hatte ich ein besonders einprägsames Erlebnis: Bei einem Gang durch die noch vom Krieg gezeichnete Altstadt stand ich unvermittelt vor einem Straßenschild mit der Aufschrift „Gleimstraße“. Ich war so überrascht, dass ich es sofort auf einem Foto festhielt.

Weshalb gab es ausgerechnet hier eine Straße mit demselben Namen wie „meine“ Straße in Berlin? Des Rätsels Lösung fand ich bald. An einem größeren Fachwerkhaus unmittelbar hinter dem Dom entdeckte ich eine Tafel, der ich entnehmen konnte, dass hier in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis zu seinem Tode 1803 der Dichter Johann Wilhelm Ludwig Gleim gewohnt hatte. Jetzt wusste ich, dass der Namengeber meiner Gleimstraße in Berlin ein lange Zeit in Halberstadt lebender Dichter gewesen war. Damit war mein Interesse an diesem heute kaum noch bekannten Literaten zunächst für viele Jahre erloschen. Ich meine sogar, dass ich im Literaturunterricht an der Oberschule außer der Tatsache, dass Gleim Fabeln geschrieben hat, nichts weiter über ihn erfahren habe.

Zweite Annäherung

Erst als ich mich zu Beginn der 90er Jahren intensiver mit der Geschichte der Gleimstraße zu befassen begann und mich dabei auch der Entstehung ihres Namens zuwandte, erwachte wieder meine Neugier. Aus Nachschlagewerken entnahm ich, dass Gleim 1719 in Ermsleben (Ostharz) als viertes Kind eines Obereinnehmers geboren wurde. Nach dem Tod seiner Eltern 1735 ermöglichten ihm wohlhabende Gönner ein Studium der Jura und Philosophie in Halle (Saale). Bereits während der Studentenzeit erwachte sein Interesse an der Literatur. So knüpfte er nicht nur freundschaftliche Bande zu allen bedeutenden Literaten seiner Zeit in Deutschland und der Schweiz, sondern begann neben der Rezeption literarischer Werke auch selbst Texte zu schreiben. Ab 1743 arbeitete er in Berlin als Hauslehrer. Als Stabssekretär des Prinzen Wilhelm von Brandenburg-Schwedt nahm er am Zweiten Schlesischen Krieg teil. 1747 kam Gleim nach Halberstadt, um am Domstift die Stelle des Domsekretärs einzunehmen. 1756 schließlich wurde er Kanonikus (Domherr) des Stifts Walbeck bei Helmstedt.

Dichter und Förderer von Talenten

Die so erreichte finanziell abgesicherte Position ermöglichte es dem Junggesellen auf Lebenszeit, sich in Halberstadt seinen Traum vom Leben als Dichter und Förderer der Kunst zu erfüllen. 1756 erschien sein erstes Buch mit Fabeln. In der Folgezeit veröffentlichte er viele Lieder- und Gedichtsammlungen. Die größte Bekanntheit und weiteste Verbreitung erlangten seine “Preußischen Kriegslieder in den Feldzügen 1756 und 1757 von einem Grenadier“, die er 1758 veröffentlichte. Das Vorwort zu dieser Sammlung schrieb Gotthold Ephraim Lessing. Als wohlwollender Ratgeber wie auch durch stete materielle Hilfsbereitschaft übte „Vater Gleim“, wie er bald von Freunden und Zeitgenossen genannt wurde, auf viele Dichter der Zeit beträchtlichen Einfluss aus.

Gleim war nicht nur Literat, sondern auch Sammler. Weil er nach dem Umzug von Berlin in die Provinz nach Halberstadt im Jahr 1747 den geistigen Austausch und das gesellige Leben der preußischen Metropole vermisste, bat er Freunde und Bekannte, ihn nicht nur mit Briefen, sondern auch mit Porträts zu versorgen. Für letztere schuf Gleim in seinem Wohnhaus eigens einen „Tempel der Freundschaft“ – eine einzigartige Bildnisgalerie mit mehr als 125 Bildern seiner fernen Freunde – allesamt zeitgenössische Autoren und Gelehrte aus Deutschland und der Schweiz. Schon Goethe bewunderte 1805, als er bei seiner Harzreise auch in Halberstadt Station machte, die Gemäldesammlung des zwei Jahre zuvor verstorbenen Dichters.

Ein misslungener Reim

Als ich einer älteren Dame aus unserem Bekanntenkreis von meinem Interesse an Gleim erzählte, fiel ihr sogleich folgende Anekdote ein, die sie in ihrer Schulzeit gehört und seitdem nicht mehr vergessen hatte: Gleim war ein Feind aller Reimereien auf seinen Namen. Auf einer Gesellschaft in Halberstadt wagte in vorgerückter Stunde ein Gast, Bürgermeister eines benachbarten Ortes, einen scherzhaften Trinkspruch auf den anwesenden Dichter. Er erhob sein Glas und rief mit schwungvollem Pathos:

„Hoch lebe jetzt der Vater Gleim,
der unserer Freundschaft dickster Leim!“
Und prompt kam Gleims Antwort:
„Doch Sie, Herr Bürgermeister,
sind dann ihr dünnster Kleister!“

Dritte Annäherung – Wiedersehen nach 42 Jahren

Mit all diesem Wissen um den Namengeber der Gleimstraße ausgestattet, besuchten meine Frau und ich im Jahre 2000 während eines dreitägigen Aufenthalts in Halberstadt auch das Gleimhaus. Es glich nicht im entferntesten jenem grauen Gebäude, dessen Bild ich über Jahrzehnte in meiner Erinnerung bewahrt hatte. Eingerichtet 1862 im ehemaligen Wohnhaus des Dichters, hat das Museum in den letzten Jahren insbesondere im Vorfeld des 200. Todestages Gleims, der in diesem Jahr mit zahlreichen Veranstaltungen begangen wird, eine umfassende Sanierung und Verschönerungskur erfahren. Es beherbergt neben der bereits erwähnten Porträtsammlung die wertvolle historische Bibliothek sowie das reichhaltige Handschriftenarchiv. So ist das Gleimhaus in Halberstadt zugleich Museum und Forschungsstätte zu Leben und Wirken des Literaten. Wer aber meint, ein Besuch lohne sich nur für Insider, der hat weit gefehlt. Ich kann nur empfehlen, sich die größte Porträtsammlung von Dichtern und bedeutenden Gelehrten des 18. Jahrhunderts, die wertvollen Bände aus der von Gleim zusammengetragenen Bibliothek sowie manch schönes Einzelstück aus der Handschriften- und der Grafiksammlung anzuschauen. Und auch an die Kinder ist gedacht: Sie können in einem speziell eingerichteten Raum die Zeit Gleims mit allen Sinnen erfahren.

K. Grosinski

Veröffentlicht in Falkblatt Nr. 13, August 2003, S. 10/11

jetzt kommentieren? 28. August 2003

Sowjet-Panzer in der Schwedter Straße

Erinnerungen an den 17. Juni 1953

In diesen Wochen und Tagen erinnern sich nicht wenige der Vorgänge um den 17. Juni 1953 in Ost-Berlin. So möchte auch ich den 50. Jahrestag des denkwürdigen Datums nutzen, um das aufzuschreiben, was ich als Elfjähriger an diesem Tag in der Gleimstraße und ihrem Umfeld erlebte.

Ich wohnte damals bei meiner Großmutter. Sie hörte bei ihrer Arbeit im Haushalt und beim Schneidern fast den ganzen Tag über Radio. Natürlich den RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor), einen anderen Sender kannte ich viele Jahre nicht. Als ich am 16. Juni 1953 von der Schule nach Hause kam, bemerkte ich an meiner Großmutter eine bei ihr bislang nicht gekannte Unruhe. Das Radio war nach meinem Empfinden ziemlich laut eingestellt. Im Unterschied zu sonst wurde die Musik immer wieder von kurzen Meldungen und Interviews unterbrochen. So hörte ich von streikenden Bauarbeitern aus der Stalinallee, von Demonstranten, die durch die Innenstadt zogen und den Rücktritt der DDR-Regierung verlangten.

Von all der Unruhe merkte man bei uns am Falkplatz und Gleimtunnel jedoch nichts.
Das sollte sich am nächsten Tag rasch ändern. Als ich nach der Schule zum Einkaufen geschickt worden war, bemerkte ich auf meinem Weg durch die Gleimstraße, dass sich die Unruhe vom Vortage offenbar noch verstärkt hatte. Ich hörte Berichte über Volkspolizisten, denen Demonstrierende die Schulterstücke von der Uniform heruntergerissen hatten, weil sie ihnen den Weg versperrten. Vor dem HO-Laden kurz vor der Ecke Cantianstraße erzählte jemand, dass eine Gruppe von jungen Männern in die Übertragungsräume im Turm des großen Stadions im Jahn-Sportpark eingedrungen sei. Dort hätten sie die Übertragungsanlagen zerstört und technische Geräte gestohlen.
Ich war noch nicht lange wieder in unsere Wohnung nahe dem Gleimtunnel zurückgekehrt, als ich durch die geöffnete Balkontür undeutlich eine laute Stimme vernahm. Neugierig betrat ich den Balkon und sah vor dem Gleimtunnel einen Mann stehen mit einem großen Trichter vor dem Mund, so wie ihn die Bademeister im Schwimmbad benutzten. In seiner Begleitung befanden sich mehrere andere Männer, die ihm zuhörten. Der Redner erklärte sinngemäß, dass das Ulbricht-Regime gestürzt worden sei, und er rief dazu auf, alles zu beseitigen, was daran erinnerte.

Trotz der mahnende Worte meiner Großmutter eilte ich auf die Straße und sah, wie sich eine wild gestikulierende und johlende Menge von vielleicht zehn oder zwölf Personen von der Ecke Schwedter Straße/Gleimstraße in Bewegung setzte. Ich folgte in angemessener Entfernung. Angeführt wurde der Trupp von dem Mann mit der „Flüstertüte“. Ich erkannte in ihm bald den ehemaligen Inhaber eines Textilladens aus der Gleimstraße, bei dem meine Großmutter des öfteren Schneiderutensilien eingekauft hatte. Als der Laden bereits einige Tage geschlossen war, wusste meine Großmutter zu berichten, dass der Besitzer nach Westberlin geflohen sei, wo er am Wedding ein neues Geschäft eröffnet hätte.

Nachdem der Trupp in mehrere Geschäfte und auch in den Kindergarten an der Ecke Korsörer und Schwedter Straße eingedrungen war, um Bilder von Ulbricht, Pieck und Grotewohl, Fahnen, Losungen und Plakate von den Wänden zu reißen, und einzelne lautstark ihren Unmut über das „Zonenregime“ geäußert hatten, zog man weiter zur Schule. Als die Männer vom Hofeingang aus die Treppe hinaufstürzten, stellte sich ihnen der Direktor meiner Grundschule, Paul Gellermann, in den Weg. Am Revers seiner Jacke trug er das SED-Parteiabzeichen. Der alte Mann vermochte gerade noch die Fremden zum sofortigen Verlassen der Schule aufzufordern, als er auch schon von einem der Eindringlinge am Kragen gepackt und mit einem derben Tritt die Treppe hinabgestoßen wurde. Zum Glück wurde er nicht verletzt, und die Meute zog bald wieder aus der Schule ab, ohne größeren Schaden anzurichten. Denn wie ich später erfuhr, fanden in diesen Tagen an der im nördlichen Teil des Schulhauses untergebrachten Heinrich-Schliemann-Schule die mündlichen Abiturprüfungen statt.

Bevor die Gruppe durch den Gleimtunnel wieder in Richtung Wedding abzog, entzündete man auf der kurz vor der Kreuzung Schwedter Straße/Gleimstraße quer über die Fahrbahn verlaufenden Barriere ein Feuer und überantwortete die requirierten Fahnen, Bilder, Plakate und Losungen dem Feuer.
Am späten Nachmittag rückten mit schrecklichem Getöse sowjetischen Panzer an und bezogen in der Schwedter Straße an der Grenze zum Französischen Sektor Stellung. Angehörige der sowjetischen Streitkräfte riegelten den Gleimtunnel ab. Auf dem Falkplatz entstand ein kleines Feldlager.
Bereits in den Mittagsstunden des 17. Juni hatte der sowjetische Militärkommandant, Generalmajor P. T. Dibrowa, über Ost-Berlin den Ausnahmezustand verhängt. Dieser verbot nicht nur alle Demonstrationen, Versammlungen und Kundgebungen auf allen Straßen und Plätzen, sondern zwischen 21 Uhr und 5 Uhr auch jeden Aufenthalt im Freien. Ein Anschlag mit dem Wortlaut des entsprechenden Befehls hing noch Wochen nach Aufhebung der Einschränkungen und Verbote links neben dem Eingang des Hauses Gleimstraße 56.

K. Grosinski

Befehl

Befehl des sowjetischen Militärkommandanten über die Verhängung des Ausnahmezustandes im sowjetischen Sektor von Berlin (Sammlung Grosinski)

Veröffentlicht in Falkblatt Nr. 12, Juni 2003, S.12/13

jetzt kommentieren? 25. Juni 2003

Stefan Heym und die Heinrich-Schliemann-Schule

Die Realitäten des Lebens und die an Schärfe zunehmenden politischen Kämpfe am Ende der Weimarer Republik machten auch vor den Toren der Heinrich-Schliemann-Schule nicht Halt.

„… Unterricht ganz anderer Art“

Das musste Prof. Dr. Hildebrandt erneut erkennen, als ihn im Oktober 1931 eine verzweifelte Mutter darum bat, ihren Sprössling noch kurz vor dem Abitur an seiner Schule aufzunehmen. Dieser war kurz zuvor wegen eines aufsehenerregenden politischen Gedichts, in dem er die Reichswehr scharf angegriffen hatte, vom Staatsgymnasium Chemnitz relegiert worden. Hildebrandt war bekannt, dass andere Direktoren von Berliner Gymnasien die Bitte der Mutter bereits abgelehnt hatten; er aber nahm den 18jährigen Helmut Flieg ,,ohne Zögern, ohne Sperenzchen” als Schüler an seine Anstalt auf und gab ihm die Möglichkeit, Ostern 1932 an der Heinrich-Schliemann-Schule das Abitur zu machen.

An der Schliemann-Schule erlebte Flieg ,,einen Unterricht ganz anderer Art als den ihm vertrauten: es ging eher zu wie in einem Seminar als in einer Schulklasse, da gab es keine Paukerei, keinen Formelkram, die Lehrer, offenbar ausgesuchte Leute, waren frei von Unsicherheit und gewillt, ihr Wissen zu teilen und ihre Fakten zur Debatte zu stellen. … Auch waren die Schüler, obwohl sozial ganz ähnlich geschichtet wie in Chemnitz, anders: gelassen, weltoffen, bereit, Meinungen gelten zu lassen; keine Rüpel unter ihnen und, wie es schien, auch keine Nazis …” 1 Mit letzterem allerdings – so sollte sich leider schon allzu bald zeigen –, hatte sich der Schüler Helmut Flieg – er wurde später bekannt als Stefan Heym – geirrt. –In seinem stark autobiographisch angelegten Roman „Nachruf“ hat Heym Hildebrandt ein literarisches Denkmal gesetzt. Aus den Zeilen, in denen er Jahrzehnte später seine Zeit an der Schliemann-Schule schilderte, spricht sowohl die Bewunderung für die Atmosphäre an diesem Gymnasium wie auch die hohe Wertschätzung für den Schulleiter. Dank Heyms plastischer Schilderung können wir uns noch heute ein Bild vom damaligen Direktor der Schule machen: ,,… graues, borstiges Haar über quergefurchter hoher Stirn, übergroße graue Augen, plattgedrückte Nase, wulstige Lippen, hatte ein herrliches, fast bellendes, alle Widersacher entwaffnendes Lachen; ich sehe ihn noch vor mir, wie er, irgendwelcher Schwierigkeiten mit seinen Füßen wegen, mit tippelnden Schrittchen durch den Korridor seiner Schule eilt.”2

Ende einer Ära

Wenige Monate nachdem Stefan Heym sich mit Erfolg der Reifeprüfung unterzogen hatte, gab Oberstudiendirektor Hildebrandt das Rektorat der Schliemann-Schule ab. Als er am 1. Oktober 1932 nach Erreichen der Altersgrenze in den Ruhestand ging, standen die Zeichen der Zeit auf Sturm.
Die Nachfolge Hildebrandts als Schulleiter hatte im Dezember 1932 Oberstudiendirektor Dr. Fritz Plagemann angetreten. Ihm war es nur kurze Zeit vergönnt, die Schule auf den von seinem Amtsvorgänger vorgezeichneten Bahnen fortzuführen. Nachdem unter Berufung auf das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom April 1934 bereits vier Studienräte, vermutlich wegen ihrer jüdischen Herkunft die Schliemann-Schule hatten verlassen müssen, traf es auch den Leiter der Anstalt. Oberstudiendirektor Plagemann musste zum 30. September eine Stelle als Studienrat an einem Gymnasium in Moabit antreten.

Wenig später wurde ein Studienrat, der schon lange das Mitgliedsbuch der Nazipartei besaß, als Direktor eingesetzt. Längst war in die Schule der Ungeist der neuen Machthaber eingezogen, war binnen kurzer Zeit all das vernichtet, was Stefan Heym noch Jahrzehnte später an Bemerkenswertem über seine Monate an der Schliemann-Schule erinnerte. Damit hatte eine rund siebenjährige Blütezeit der 1864 im Süden der Stadt als Luisenstädtisches Gymnasium gegründeten und 1928 in Heinrich-Schliemann-Schule umbenannten Anstalt ein jähes Ende gefunden.

Epilog

Das Kriegsende 1945 brachte für Paul Hildebrandt nicht nur die Erlösung von der Nazidiktatur, sondern auch seine eigene Befreiung – aus dem Konzentrationslager Buchenwald. Dorthin hatten die Nazis im Dezember 1943 den 73-jährigen verschleppt, nachdem die Eheleute Hildebrandt vom NSDAP-Ortsgruppenleiter von Ramsau bei Berchtesgaden, wohin sie 1939 ihren Wohnsitz verlegt hatten, als ,,versteckte Gegner des nationalen Staates“ denunziert worden waren.1

Es grenzt fast an ein Wunder, dass Hildebrandt die Hölle des KZ überlebte. Als einige seiner ehemaligen Schüler davon erfuhren, dass ihr ehemaliger Lehrer und Direktor nach seiner Befreiung aus dem KZ Buchenwald nach Berlin zurückgekehrt war, trafen fast täglich Briefe bei ihm ein. So schrieb eine Schüler: ,Das Leben hat uns alle nicht sanft angefaßt. Daß aber auch Sie während der letzten Jahre in Buchenwald waren, hat uns tief erschüttert. Ich kann Ihnen nur versichern, daß meine Erinnerungen an unsere Schuljahre und an unseren verehrten Direktor, der oft genug für uns Lümmel in die Bresche sprang, zu dem Besten gehören, was ich an geistigem Besitz habe.” 2
Sicher haben insbesondere diese Briefe dazu beigetragen, dass sich Prof. Hildebrandt ohne Zögern zur Verfügung stellte, als es galt, den nazistischen Ungeist aus den Köpfen zu räumen und ein demokratisches Bildungswesen in Berlin aufzubauen. Als Referent im Hauptschulamt kümmerte er sich besonders um die Einrichtung von Büchereien für die Ausbildung von Schulhelfern in den Berliner Stadtbezirken. Darüber hinaus wurde er ständiger Mitarbeiter des ,,Telegraf” und des Rundfunks im amerikanischen Sektor (RIAS). In seinen Beiträgen für die Presse oder im Rundfunk bezog Paul Hildebrandt Stellung zu den Tagesfragen und schaltete sich insbesondere in die Diskussionen um den Charakter und den Inhalt der neuen Schule in dem zu bildenden demokratischen deutschen Staat ein.
Am 26. November 1948 starb der Altphilologe und Schulreformer, der humanistische Lehrer und Erzieher Prof. Dr. Paul Hildebrandt im Alter von 78 Jahren.3

Nachtrag
Am 26. November 2004 wurde neben dem Eingang der Grundschule am Falkplatz in der Gleimstraße 49 eine Gedenktafel für den Pädagogen, Schulreformer und Publizisten Prof. Dr. Paul Hildebrandt enthüllt. Siehe den Text der Rede, die der Initiator dieser Würdigung, Klaus Grosinski, zu diesem Anlass gehalten hat.

  1. Stefan Heym: Nachruf, Fischer Taschenbuch GmbH, Frankfurt am Main 1990, S.54.

  2. Ebenda, S. 53.

  3. Auch Hildebrandts Frau, Dr. Else Hildebrandt, war verhaftet worden. Sie kam ins KZ Ravensbrück, wo sie umgebracht wurde.

  4. Zit. nach: Ein pädagogischer Jubilar. Telegraf, 21.1.1946.

  5. Wer mehr über das Leben und Wirken Prof. Dr. Paul Hildebrandts, die Geschichte der Schule in der Gleimstraße oder auch über andere Schulen in Prenzlauer Berg erfahren möchte, dem sei schon jetzt der vom Prenzlauer Berg Museum herausgegebene reich illustrierte Sammelband „Schule zwischen gestern und morgen. Beiträge zur Schulgeschichte von Prenzlauer Berg“ empfohlen, der 2002 im Schneider Verlag Hohengehren erschien. Aus ihm wurde auch die Abbildung im vorliegenden Beitrag entnommen.

K. Grosinski

Abiturientenliste

Ausschnitt aus der Liste der Abiturienten der Heinrich-Schliemann-Schule (Gymnasiale Abteilung) von Ostern 1932. Helmut Flieg (laufende Nr. 4) ist Stefan Heym (Quelle: Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung Berlin)

Veröffentlicht in Falkblatt Nr. 8, Mai 2002, S. 11/12

jetzt kommentieren? 22. Mai 2002

Ringschluss der S-Bahn

Erinnerungen und Geschichte(n)

Am 15. Juni 2002 war es endlich soweit. Fast 41 Jahre nach seiner gewaltsamen Unterbrechung durch die DDR wurde der Berliner S-Bahnring offiziell wiedereröffnet. Damit ist zwölfeinhalb Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer ein weiteres Stück Normalität in die Stadt zurückgekehrt.

Strecke ohne Ende
Ich muss gestehen, ich habe auf diesen Tag gewartet. So habe ich es auch genossen, vom gänzlich erneuerten S-Bahnhof Wedding aus mit einem der ersten Züge nach Abschluss der offiziellen Feierlichkeiten auf dieser einstigen „Strecke ohne Ende“ eine Runde mitzufahren.
Als sich der Sonderzug in Richtung Schöneberg endlich in Bewegung setzte, wurden viele Erinnerungen wieder wach. Was war das für uns als Kinder für ein Gaudi, einmal um den Ring zu fahren. Am Fahrkartenschalter des S-Bahnhofs Schönhauser Allee wurde für 20 Pfennig Ost (!) ein Billett gekauft, anschließend drückte der Automat oder ein Bahnangestellter in Uniform, der in einem kleinen als „Wanne“ bezeichneten Häuschen am Eingang zum Bahnsteig saß, mit einer Zange die Buchstaben SA – sie standen für Schönhauser Allee – in den Fahrschein und dann ging’s ab. Es blieb sich gleich, ob wir den S-Bahn-Zug in Richtung Westkreuz über Gesundbrunnen – Jungfernheide – bestiegen oder über Ostkreuz – Treptower Park – Sonnenallee in Richtung Papestraße fuhren. Zumeist haben wir bei unserer Rundreise auf dem Bahnhof Tempelhof einen Zwischenstopp eingelegt. Dort angekommen, begaben wir uns rasch zu dem dem Flugplatz zugekehrten Ende des Bahnsteigs und schauten fasziniert den startenden und landenden Flugzeugen zu. Wenn wir uns endlich satt gesehen hatten, bestiegen wir wieder die Ringbahn und fuhren weiter. Indes ganz so einfach, wie es sich anhört, war es freilich nicht. Denn eigentlich war so eine Fahrt um den gesamten S-Bahn-Vollring mit einer einfachen Fahrkarte nicht erlaubt. Schließlich sollten die Fahrgäste den Ring nur für eine Fahrt vom Ausgangsbahnhof zum Zielbahnhof nutzen. Und da es auch damals bereits Fahrkartenkontrollen gab, durfte man sich mit seinem Fahrschein der Niedrig-Preisstufe1 nicht erwischen lassen, wenn plötzlich etwa in Westend ein Kontrolleur zustieg und seines Amtes waltete und erbost feststellen musste, dass wir bereits Dreiviertel des Rings zurückgelegt hatten. Aber auch das Wissen um diese mögliche Standpauke hielt uns nicht davon ab, schon bald wieder für zwei Groschen einmal um den Ring zu fahren.

Hüben und drüben
Nicht selten sind wir auf der Rückfahrt in Richtung „Heimat“ auf dem S-Bahnhof Gesundbrunnen ausgestiegen. Für uns Jungen vom „Falker“ nahm es sich nicht viel, ob wir vom S-Bahnhof „Schönhauser“ durch die Gleimstraße oder von Gesundbrunnen über die Ramler- und Graunstraße schließlich durch den Gleimtunnel in unserenKiez gelangten. Denn trotz der Spaltung der Stadt, die wir vor allem an den beiden unterschiedlichen Währungen und den Auslagen in den Geschäften merkten, fühlten wir uns gleichermaßen diesseits und jenseits des Gleimtunnels zu Hause. Der Humboldthain mit seinen beiden Bunkerbergen, den Liegewiesen und dem schönen Freibad gehörte ebenso zu unserem Operationsgebiet wie der Falkplatz und der „Exer“ mit seinen Fußballfeldern und Basketballplätzen. Dennoch war natürlich auch uns bewusst, dass zwischen den S-Bahnhöfen Schönhauser Allee und Gesundbrunnen eine Grenze zwischen zwei recht verschiedenen Welten verlief. Darauf musste nicht erst die Stimme aus dem Lautsprecher aufmerksam machen, welche regelmäßig die mit der S-Bahn aus Richtung Prenzlauer Allee ankommenden Fahrgäste darauf aufmerksam machte, dass der Bahnhof Schönhauser Allee „der letzte Bahnhof im demokratischen Sektor von Berlin“ sei. Doch davon ließen sich die im Zug verbleibenden Fahrgäste offensichtlich nicht beeindrucken, ebenso wenig wie von den regelmäßigen Kontrollen durch die Angehörigen des DDR-Zolls, welche die gen Westen Fahrenden und deren Gepäck zumeist sehr aufmerksam musterten. Letzteres musste in der Regel recht schnell gehen, denn der Zug sollte pünktlich seine Fahrt fortsetzen. Hatten die „Taschenkrebse“, wie die DDR-Zöllner wegen ihrer spezifischen Form der Kontrolltätigkeit an der Sektorengrenze von vielen genannt wurden, einen Verdächtigen aufgespürt, so musste dieser den Zug verlassen und seinem Häscher in einen eigens auf dem Bahnsteig eingerichteten Dienstraum folgen. Dort wurde er weiter kontrolliert, befragt und nicht selten auch visitiert. So hatte der Halt auf dem Bahnhof Schönhauser Allee für jeden, der über diese Station von einem Teil der Stadt in den andren gelangen wollte, immer etwas Beklemmendes. In den Abteilen verstummten die Gespräche, viele Fahrgäste schauten scheinbar gelangweilt durch die Fenster auf den Bahnsteig, andere meinten da draußen mit den Augen etwas besonders angespannt fixieren zu müssen, wieder andere schnaubten verlegen ins Taschentuch. Erst wenn der Zöllner endlich den S-Bahn-Wagen wieder verlassen hatte und über den Lautsprecher die Aufforderung zum Türenschließen und zur Abfahrt ertönte, löste sich die Spannung wieder.

Offensichtlich spielten die Ost-Berliner Behörden seit Mitte der 50er Jahre zeitweilig mit dem Gedanken, die Grenzkontrollen noch effektiver und ergiebiger zu gestalten und zu diesem Zweck zwischen den regulären S-Bahnhöfen Schönhauser Allee und Gesundbrunnen vor der Grenze einen zusätzlichen Bahnsteig in Dienst zu stellen. Die in Holz ausgeführte Konstruktion, an die ich mich noch gut erinnere– sie ist auf dem beigefügten Foto abgebildet –war von der Fußgängerbrücke über den Bahngraben zwischen Schönfließer und Sonnenburger Straße gut zu überschauen und erstreckte sich etwa bis zur Höhe der Einmündung der Malmöer in die Dänenstraße. Soweit ich mich entsinne wurde dieser „Kontrollbahnhof“ jedoch nie in Betrieb genommen. Mit der Kappung des S-Bahn-Rings und dem Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 wäre er ohnehin überflüssig geworden.
Gehe ich heute über die Fußgängerbrücke an der Sonnenburger Straße und schaue auf die Gleise dort unten, muss ich noch manchmal an dieses Monstrum denken. So, als wollte ich diesen Spuk verscheuchen, warte ich auf den nächsten S-Bahn-Zug und verfolge mit den Augen eine Stück dessen Fahrt auf der „Strecke ohne Ende“.

K. Grosinski

KontrollbahnsteigDer zusätzliche Kontrollbahnsteig an der S-Bahnstrecke zwischen den Stationen Schönhauser Allee und Gesundbrunnen, ca. 1957 (Sammlung des Verfassers)

jetzt kommentieren? 02. Mai 2002

“Ohm Paul” und die Heinrich-Schliemann-Schule

Aus einer Glanzzeit der Schule in der Gleimstraße. – Zur Geschichte des Falkplatzkiezes (V) Im November 1924 wurde Prof. Dr. Paul Hildebrandt auf Vorschlag der Städtischen Schuldeputation vom Bezirksamt Prenzlauer Berg zum Direktor des Luisenstädtischen Gymnasiums in der Gleimstraße 49 gewählt. Am 6. Januar 1925 übernahm er das neue Amt. Damit begann für die 1864 im Süden Berlins gegründete und seit 1915 im Norden der Stadt ansässige Schule der erfolgreichste Abschnitt in ihrer bislang mehr als 60-jährigen Geschichte. Paul Hildebrandt war im Berlin der zwanziger Jahre kein Unbekannter. Geboren 1870 in Berlin, war der promovierte Altphilologe, der neben alten Sprachen Religion und Geschichte studiert hatte, bereits rund drei Jahrzehnte im höheren Schuldienst tätig, davon knapp die Hälfte am altehrwürdigen Berlinischen Gymnasium zum Grauen Kloster. Seit 1920 schrieb er regelmäßig Beiträge über schulpolitische Ereignisse, pädagogischen Probleme und zu Fragen der seit langem anstehenden Schulreform für die ,,Vossische Zeitung”, die ,,Berliner Morgenpost”(1) und andere Presseerzeugnisse aus dem Hause Ullstein. Insbesondere dieses journalistische Wirken hatte ihn über den Kreis seiner Kollegen hinaus in der Öffentlichkeit bekannt gemacht. Als der Ullstein Verlag 1923 aufgrund des starken Interesses der Leser an erzieherischen Fragen eine pädagogische Sprechstunde einrichtete, betraute er Oberstudienrat Prof. Dr. Hildebrandt mit deren Leitung. Die neue Beratungsstelle erwarb sich insbesondere bei Eltern sehr schnell einen guten Ruf. Neben dem Schuldienst und seiner vielfältigen publizistischen Tätigkeit war Hildebrandt auch politisch tätig. 1924 war er für die Deutsche Demokratische Partei (DDP) (2), der er sich schon bald nach der Novemberrevolution von 1918 angeschlossen hatte, in die Berliner Stadtverordnetenversammlung gewählt worden.

Schülerselbstverwaltung und Berufsorientierung

Hildebrandt nutzte sein neues Betätigungsfeld am Luisenstädtischen Gymnasium, um jene pädagogischen Grundsätze, die er in seinen Zeitungsartikeln, Buchbeiträgen und in der pädagogischen Sprechstunde vertrat, in die Erziehungspraxis umzusetzen. Neue Erkenntnisse auf erziehungswissenschaftlichem Gebiet überprüfte er nun zuerst an seiner Schule auf ihre Realisierbarkeit. Mit zu den ersten Veränderungen an der Schule gehörte die den Schülern gebotene Möglichkeit, ihre Wünsche, Klagen und Beschwerden – auch über Lehrer – unmittelbar beim Rektor vortragen zu können. Zudem räumte er den gewählten Vertretern der Schülerschaft ein breites Mitspracherecht in schulischen Belangen ein. Schülerselbstverwaltung, berufsorientierende Exkursionen in Betriebe, mehrwöchige Aufenthalte im Schullandheim und erlebnisreiche Ferienfahrten waren an seiner Anstalt bald Selbstverständlichkeit. Darüber hinaus suchte Hildebrandt in Anbetracht der Sorgen und Nöte in vielen Elternhäusern die Schüler durch vielfältige Freizeitangebote noch enger an die Schule zu binden. So bestanden in der Schliemann-Schule ein Schülerorchester, eine Theatergruppe, eine Ruderriege, ein Tennisverein und eine Vielzahl von Arbeitsgemeinschaften zu den unterschiedlichsten Interessengebieten. All das trug dazu bei, dass die Schüler ein unbegrenztes Vertrauen zu Hildebrandt gewannen. Ausdruck dessen war der Name „Ohm Paul“, dem sie ihm gaben. „Ohm Paul“ war der Lehrer und Direktor, an den sich jeder Schüler wenden konnte, „Ohm Paul“ war die Seele der Schule. Vom Umgang Hildebrandts mit seinen Schülern zeugt die folgende überlieferte Episode: ,,… die Tertia hatte wieder einmal etwas Unsagbares ausgefressen. Einige Übeltäter waren gefasst worden und wurden in das Amtszimmer befohlen, wo sie der Hausmeister mit berufsmäßiger Grimmbärtigkeit empfing. Jetzt schlackerten uns doch die Ventile. Mindestens drei Stunden Arrest oder vielleicht sogar den Rausschmiss waren zu gewärtigen. Zerknirscht standen wir vor ,Ohm Paul’ und wagten nicht, zu ihm aufzusehen. Eine beklemmend lange Minute der Stille. Und dann kamen drei Worte, die sich wohl keiner von uns hatte träumen lassen: ,Na, ihr Möpse!’ – Dass sich darauf außer einigen kräftigen moralischen Nasenstübern keine schlimmeren Folgen für uns ergaben, weder Tadel noch Arrest, versteht sich wohl von selbst.”(1)

Eine „merkwürdige frappierende Übereinstimmung“

Vor allem an seine Schüler muss Hildebrandt auch gehabt haben, als er sich schon bald nach der Übernahme des Rektorats mit der Frage einer Umbenennung der Schule befasste. Was galt den Schülern hier im Norden der Stadt noch der an die Gründung der Anstalt erinnernde Name ,,Luisenstädtisches Gymnasium”? Bei der Suche nach einem Namengeber, mit dem sich auch die Schüler identifizieren könnten, fiel seine Wahl auf den Altertumsforscher Heinrich Schliemann(2), den Entdecker von Troja. Doch einflussreiche Kräfte in den Schulbehörden und in der Stadtverwaltung sahen das anders, Sie suchten die Benennung der Schule nach Schliemann mit allen Mitteln zu verhindern. Endlich, nach einem mehr als zweijährigen Ringen setzte sich Hildebrandt durch. Am 20. November 1928 war es so weit: In Anwesenheit von zahlreichen Ehrengästen, darunter dem Berliner Oberbürgermeister Gustav Böß (5), fand in der Schulaula die Feier anlässlich der Verleihung des Namens Heinrich-Schliemann-Gymnasium statt. In seiner Festansprache würdigte Hildebrandt Leben und Wirken Schliemanns und stellte den Bezug zum Namengeber her und verwies insbesondere auf ,,die merkwürdige frappierende Übereinstimmung zwischen dem Wesen Schliemanns, seinen Tendenzen und Wirkungen, und den Zielen, die wir Unterricht und Erziehung in unserer Anstalt gesteckt haben”(6). Die an Schärfe zunehmenden politischen Kämpfe am Ende der Weimarer Republik machten indes auch vor den Toren der Heinrich-Schliemann-Schule nicht Halt. Doch davon im nächsten Beitrag.

  1. Die ,,Berliner Morgenpost” war mit einer Auflage von 607 000 Exemplaren im Jahre 1925 eine der meistgelesenen Zeitungen in Deutschland.
  2. Von bürgerlich-demokratischen Gruppen in den Tagen der Novemberrevolution 1918 in Berlin gebildete linksliberale Partei. Die DDP hatte wesentlichen Anteil an der Konstituierung und Ausgestaltung der Weimarer Republik und war einer ihrer stärksten Verteidiger gegen Angriffe von rechts und links. Ende 1930 löste sich die DDP auf.
  3. Arnold Bauer: Unser alter Lehrer. In: Horizont, H. 1 vom 9.12.1945.
  4. Heinrich Schliemann (1822–1890) benutzte sein als Kaufmann erworbenes Vermögen, um den Plan aus seiner Jugend, die Schauplätze der Epen Homers zu entdecken, zu verwirklichen. 1871 fand er im Hügel von Hissarlik an den Dardanellen das homerische Troja. Später unternahm er größere Grabungen in Mykene, Tiryns, Ithaka und Orchomenos (Böotien). Die Ergebnisse seiner Forschungen fanden nur langsam Anerkennung. Schliemann gilt als Begründer der archäologischen Grabungsmethoden.
  5. Gustav Böß (1873–1946), 1921–1930 Oberbürgermeister von Berlin.
  6. Jahresbericht der Heinrich-Schliemann-Schule (Gymnasium und Realgymnasium) 1928/1929, S. 90 ff.

K. Grosinski

Paul Hildebrandt

Prof. Dr. Paul Hildebrandt, 1924. Ausschnitt aus einem Klassenfoto (Quelle: Streitsche Stiftungen, Berlin)

Heinrich-Schliemann-Schule

Heinrich-Schliemann-Schule (Gymnasium und Realgymnasium), Ansicht Ystader Straße, Ende der 1920er Jahre (Sammlung Grosinski)


Veröffentlicht in Falkblatt Nr. 7, Februar 2002, S. 11/12


jetzt kommentieren? 04. März 2002

Wie der Falkplatz zu seinem Namen kam

Aus der Geschichte des Falkplatzes (IV)

Im Jahre 1906 war es endlich soweit: Der Platz N erhielt einen Namen.
In der Ende September 1906 im “Amtsblatt der Stadt Berlin” veröffentlichten Bekanntmachung des Königlichen Polizei-Präsidenten über Straßen-, Platz- und Brücken-Benennungen findet sich der Vermerk, dass “Seine Majestät der Kaiser und König … allergnädigst geruht [haben], mehreren Straßen sowie einem Platze und einer Brücke in Berlin Namen beizulegen”. Bei dem Platz handelte es sich um den Platz N oder Nr. 1 der Abteilung XI des Bebauungsplanes von Berlin. Er erhielt den Namen Falkplatz.

Als die Benennung erfolgte, konnten sich vermutlich noch viele ältere Berliner an den Namensgeber, den einstigen streitbaren preußischen Kultusminister Adalbert Falk, erinnern. Der 1827 im schlesischen Metschkau geborene Pfarrersohn hatte bereits im preußischen Justizdienst Karriere gemacht und sich auch als staatstreuer Politiker hinreichend legitimiert, als er 1872 vom “eisernen Kanzler” Otto von Bismarck (1805–1898) als Kultusminister in das preußische Kabinett aufgenommen wurde. Falk nahm entschlossen die ihm von Bismarck zugedachte Aufgabe in Angriff, in dem seit der Gründung des vornehmlich protestantischen Deutschen Reiches 1871 schwelenden Konflikt zwischen dem Staat und der als reichsfeindlich verdächtigten katholischen Kirche – von dem Mediziner und Parlamentarier Rudolf Virchow (1821–1902) 1873 als “Kulturkampf” bezeichnet – nachhaltig die Positionen des Staates zu sichern und zu stärken. In seinem Streben, die Staatsautorität zu behaupten und den Einfluss des Katholizismus zurückzudrängen, scheute Falk nicht davor zurück, die Amtsträger der katholischen Kirche mit rechtlich bedenklichen Mitteln zu bekämpfen. Harte Strafgesetze gegen den katholischen Klerus und das Verbot sämtlicher Ordensniederlassungen auf preußischem Gebiet sowie die 1874 in Preußen und wenig später im Deutschen Reich eingeführte obligatorische Zivilehe, welche die katholische wie die evangelische Kirche gleichermaßen traf, sollten das Werk sichern.

Als gegen Ende der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts unter dem Druck der anwachsenden innenpolitischen und wirtschaftlichen Aufgaben die Auseinandersetzungen mit der katholischen Kirche immer mehr in den Hintergrund traten und der Vatikan unter dem neuen Papst Leo XIII. (1810–1903) einen Ausgleich mit Bismarck anstrebte, wurde Falk entlassen. Zunehmend enttäuscht zog er sich aus dem politischen Leben zurück.
Bis in unsere Tage wird der Namensgeber des Falkplatzes in den spärlichen Angaben, die sich über ihn in einigen wenigen Nachschlagewerken finden lassen, fast ausschließlich als der eigentliche Kulturkampfminister unter Bismarck und Schöpfer der Zivilehe in Deutschland gewürdigt. Gar nichts oder nur wenig erfährt der Leser hingegen von Falks Einsatz für eine Reform des Schulwesens in Preußen. Dabei ging es ihm hier um eine längst überfällige durchgreifende Modernisierung. Zu diesem Zweck sollten die Schulaufsicht neu geregelt, die Lehrerbildung modernisiert, die Lehrpläne der fortschreitenden Entwicklung der Naturwissenschaften und Technik angepasst, die Schulbücher vereinheitlicht und die Ausstattung der Elementarschulen verbessert werden. Doch alle diese Vorschläge und Vorstöße Falks stießen bei den Verantwortlichen auf taube Ohren. Vor allem Falks Vorstellungen von einer Abschaffung der geistlichen Schulaufsicht trafen beim Klerus und beim Adel gleichermaßen auf entschiedenen Widerstand. Auch die kaiserlichen Randglossen an Falk wurden immer bissiger und gereizter. Mit Falks Ausscheiden aus dem Amt des Kultusministers blieben somit auch erste Ansätze für eine Reform des preußischen Schulwesens stecken. Am 7. Juli 1900 starb Adalbert Falk in Hamm, wo er seit 1882 als Oberlandesgerichtspräsident gewirkt hatte.
Die meisten, die heute den Namen Falkplatz hören, wird es kaum interessieren, woher der Platz seinen Namen hat oder gar nach wem er benannt wurde. Für die jüngere Generation, die seit je sprachliche Verkürzungen bevorzugt, ist und bleibt es der “Falka” oder “Falker”. Dieser Name passt auch besser zu “Kolle”, “Helmi” oder “Teute”.

K. Grosinski

Adalbert FalkAdalbert Falk (1827–1900) – erfolgreich als Schöpfer der Zivilehe, als Schulreformer gescheitert (Sammlung Grosinski)

Veröffentlicht in Falkblatt Nr. 6, Dezember 2001, S. 11

bisher 1 Kommentar 18. Dezember 2001

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